Prozess gegen Commerzbank
Franjo Pooth muss zahlen

Das Landgericht Düsseldorf hat Franjo Pooth heute verurteilt, an die Commerzbank rund 1,8 Mio. Euro zu zahlen. Das Gericht hat damit der Klage in vollem Umfang stattgegeben. Keine der Parteien war anwesend. Dafür zwei Dutzend Journalisten. Die meisten von ihnen wollten gerne mehr erleben als nur die Urteilsbegründung.

DÜSSELDORF. Bereits eine Stunde vor dem Verkündungstermin in Saal R 265 des Düsseldorfer Landgerichts treffen Journalisten von Fernsehen, Rundfunk und Zeitung ein. Die Hoffnung, Franjo Pooth, Beklagter in diesem Zivilprozess, könnte heute erscheinen, ist groß. Ein Kameramann macht eine Nahaufnahme von dem Glaskästchen, in dem die Gerichtsrolle mit den Terminen hängt. Immerhin taucht dort der Name „Pooth“ in deutlich lesbarer Groteskschrift auf. Das Bildnis des bekannten Beklagten wäre ihm allerdings lieber.

Doch von den Parteien erscheint niemand. Auch keine Anwälte. Aber an diesem Vormittag begnügt man sich mit dem, was man vorfindet: Die angereisten Fotografen lichten den Steinboden im Gerichtsflur und die mit Holz getäfelten Wände ab. Dann beginnen sie sich gegenseitig zu fotografieren bis schließlich die zuständige Richterin erscheint, um die Entscheidung zu verkünden.

Richterin Annette Lehmberg gibt der Klage der Commerzbank gegen den insolventen Unternehmer in vollem Umfang in Höhe von rund 1,8 Mio. Euro statt. Das Urteil überrascht niemanden. Die Commerzbank hatte Pooths Firma Maxfield GmbH einen Kredit in Höhe von rund 1,8 Mio. Euro zur Verfügung gestellt. Als Sicherheit hatte Pooth sich gegenüber der Commerzbank selbstschuldnerisch in Höhe von 3 Mio. Euro verbürgt. Nachdem Pooths Firma Anfang 2008 wegen Überschuldung Insolvenz anmelden musste, klagte die Commerzbank schließlich aus der Bürgschaft auf die mittlerweile verbrauchten 1,8 Mio. Euro. Dem Kreditinstitut wurde sehr schnell klar, dass bei Pooths Unternehmen nichts mehr zu holen ist. Denn die Schlange der Gläubiger ist lang: Von der Maxfield GmbH fordern 461 Gläubiger insgesamt 27 Mio. Euro.

Zur Begründung des Urteils führte Richterin Annette Lehmberg aus, dass sie den Bürgschaftsvertrag für wirksam halte. Damit wies sie die komplette Verteidigung von Pooths Anwalt zurück. Dieser war der Auffassung, dass der Vertrag sittenwidrig sei, weil er einerseits seinen Mandanten finanziell überfordere und andererseits die Bürgenhaftung über das Kreditlimit unzulässig ausweite.

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