Prozess gegen Deutsche Bank
Leo Kirchs letztes Gefecht

Sechs Jahre nach dem Zusammenbruch seines Imperiums hat Leo Kirch seinen Rachefeldzug noch nicht aufgegeben. Seit heute setzt er seinen Kampf gegen die Deutsche Bank vor dem Landgericht München fort.

MÜNCHEN. Die Änderungen sind minimal: "Stadtbüro" stand einst in schwarzen Buchstaben auf einem Klingelschild am Eingang des Geschäftshauses in der Münchener Kardinal-Faulhaber-Straße 15. "KF15", die Adresse in Kurzform, prangt jetzt auf dem Schild, und "Sirius Sport" steht gleich daneben. Mehr nicht. Kein Name, kein Zusatz, keine Erklärung. Damals wie heute soll niemand wissen, wer hier residiert - in dem unauffälligen Haus in der feinen Gegend im Herzen der bayerischen Hauptstadt.

Lange Jahre war dies eine der mächtigsten Schaltzentralen der deutschen Wirtschaft. Leo Kirch dirigierte von hier aus sein Imperium, als er noch einer der reichsten und schillerndsten Medienunternehmer der Republik war.

Kirchs Reich ist inzwischen zerfallen, die Klingelschilder hat er ausgewechselt, seine Kommandozentrale sind die nüchternen Räume im zweiten und dritten Stock aber geblieben. Hier plant und organisiert der 82-Jährige seine scharfen juristischen Attacken gegen die Deutsche Bank und deren ehemaligen Chef Rolf Breuer.

Ein Leo Kirch gibt nie auf. Seit nunmehr sechs Jahren führt er seinen erbitterten Feldzug gegen die Deutsche Bank, seitdem Breuer sich in einem Fernsehinterview über das damals bereits angeschlagene Kirch-Imperium äußerte und wenige Wochen später der Medienunternehmer Insolvenz anmelden musste. Heute geht der Kampf der beiden alten Männer vor dem Münchener Landgericht in eine neue Runde.

Was treibt diesen Mann an?

Trotz seines hohen Alters wirft sich Kirch unverdrossen in das juristische Gefecht. "Ich erlebe ihn heute kampfeslustiger und unternehmerischer als noch vor einem Jahr", sagt ein Vertrauter. Ein ehemaliger Mitarbeiter, der Kirch heute kritisch gegenübersteht, gibt zu Protokoll: "Im Kampf ist er ganz der Alte."

Keine Selbstverständlichkeit für einen schwer zuckerkranken Mann, dem Anfang des Jahres ein Fuß amputiert wurde und der mühsam mit einer Prothese wieder das Laufen lernte. Anderen hätte ein solcher Schicksalsschlag die letzte Lebensenergie geraubt, doch bei Leo Kirch dauerte die Schwächephase nach der Operation nur kurz.

Was treibt diesen Mann an? Ist Geld das Motiv für seinen langen Rachefeldzug gegen Breuer? Oder will er seine Reputation wieder herstellen und nicht als Deutschlands bekanntester lebender Pleitier in die Geschichtsbücher eingehen?

Der öffentlichkeitsscheue Unternehmer schweigt sich dazu seit Jahren aus. Menschen, die ihn lange kennen, schließen aus, "dass das Materielle oder dass die Gier eine Rolle spielt". Es sei eher eine Frage der Ehre, der Wunsch nach später Rehabilitierung, der den greisen Mann motiviert und der ihm bereits wenige Monate nach seiner Fußamputation ein formidables Comeback bescherte.

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