Prozess gegen Ex-Drogeriekönig

Gericht streicht Teil der Anklagepunkte gegen Schlecker

Seit März steht Anton Schlecker unter anderem wegen vorsätzlichen Bankrotts vor Gericht. Der Richter hat nun eine Liste von Anklagepunkten fallen lassen. Ungeschoren wird Schlecker aber wohl nicht davonkommen.
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Am 13. November könnte die Beweisaufnahme geschlossen werden. Quelle: dpa
Schlecker Prozess

Am 13. November könnte die Beweisaufnahme geschlossen werden.

(Foto: dpa)

StuttgartIm Prozess gegen Ex-Drogeriemarktkönig Anton Schlecker ist die Liste der Vorwürfe ein Stück kürzer geworden. Wie erwartet stellte das Gericht das Verfahren am Montag in einigen Punkten vorläufig ein. Mit den verbleibenden geht das Verfahren weiter - und allmählich in die Endphase. Am nächsten Prozesstag am 13. November könnte - je nachdem, wie viele Anträge es noch gibt - die Beweisaufnahme geschlossen werden und die Staatsanwaltschaft ihr Plädoyer halten, hieß es. Auch bei Schleckers mitangeklagten Kindern wurden am Montag einige Anklagepunkte gestrichen.

Zwar steuert Schlecker in dem Bankrottverfahren damit auf ein relativ mildes Urteil zu, aber ungeschoren wird er kaum davonkommen. Denn die Anklagepunkte wurden gemäß Paragrafen 154 der Strafprozessordnung fallengelassen, weil zu erwarten ist, dass diese gegenüber den anderen Anklagepunkten nicht ins Gewicht fallen. Andere Vorwürfe bleiben also bestehen und können zu einem Urteil führen.

Schlecker ging im Januar 2012 insolvent, zehntausende Mitarbeiter verloren ihre Jobs. Anton Schlecker steht seit März unter anderem wegen vorsätzlichen Bankrotts vor Gericht. Die Vorwürfe erstrecken sich auf eine Vielzahl von Klagepunkten, die teilweise nur bestimmte Zeitabschnitte umfassen. Knackpunkt in dem Prozess ist die Frage, wann dem Konzern die Insolvenz drohte – ab dann hätte der heute 72-Jährige keinen Cent mehr aus der Firma ziehen dürfen.

Eine Familie auf der Anklagebank
Prozessauftakt
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Es war eine der aufsehenerregendsten Firmenpleiten der vergangenen Jahre. 2012 musste die Drogeriemarkt-Kette von Anton Schlecker (Mitte) Insolvenz anmelden, mehr als 25.000 Mitarbeiter in Deutschland verloren ihren Job. Nun hat der Prozess gegen Anton Schlecker und seine Familie vor dem Landgericht Stuttgart begonnen.

Auf der Anklagebank
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Allein schon die Anwesenheit des Firmenpatriarchen (r.) ist eine kleine Sensation. Denn Schlecker meidet die Öffentlichkeit seit Jahrzehnten. Vor Gericht muss er allerdings persönlich erscheinen. „Nach der Strafprozessordnung muss grundsätzlich in Anwesenheit des Angeklagten verhandelt werden“, sagt eine Gerichtssprecherin.

Vorsätzlicher Bankrott?
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Die Staatsanwaltschaft wirft Anton Schlecker vorsätzlichen Bankrott vor. In insgesamt 36 Fällen soll er Vermögenswerte zur Seite geschafft zu haben, die eigentlich in die Insolvenzmasse gehörten, aus der Gläubiger bedient werden sollen. Außerdem soll er falsche Angaben in den Bilanzen des Drogerie-Imperiums gemacht haben.

Langer Prozess
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„Was den Fall ungewöhnlich macht, ist die Dimension“, sagt der Jura-Professor Matthias Jahn von der Universität Frankfurt. „Die Anklageschrift umfasst 270 Seiten.“ Das allein sei schon ein Indiz dafür, dass es sehr kompliziert sei. Auch die 26 Termine, die das Landgericht bis Oktober zunächst anberaumt hat, deuteten darauf hin, dass es ein komplexes Verfahren werde.

Anton Schlecker
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Der 72-Jährige ist der große Unbekannte. Selbst örtliche Politiker und Wirtschaftsvertreter haben kaum Kontakt zu ihm. Nach der Pleite soll sich Anton Schlecker auch von Vertrauten zurückgezogen haben. Nun zeigte er sich beim Prozessauftakt der Öffentlichkeit.

Anton Schlecker im Jahr 1999
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Der gelernte Metzgermeister eröffnete 1975 den ersten Schlecker-Markt. Bereits zwei Jahre später betrieb er schon mehr als 100 Filialen. Er baute ein Imperium auf und beschäftigte in Glanzzeiten mehr als 55.000 Menschen. Konkurrent Dirk Roßmann, der Schlecker und dessen Frau seit Jahren kennt, sagte jüngst in einem Beitrag des SWR: „Fleißig waren die beiden, unglaublich.“ Außerdem seien sie hilfsbereit und großzügig gegenüber Freunden.

Christa Schlecker
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Über Anton Schleckers Frau ist am wenigsten bekannt. Sie wird als „resolut“ beschrieben. Christa Schlecker galt als enge Vertraute Antons und soll zusammen mit ihm das berüchtigte Kontrollnetz über Mitarbeiter errichtet haben.

In ihrer Klageschrift ging die Staatsanwaltschaft vom 31. Dezember 2009 als Zeitpunkt aus, an dem eine Insolvenz von Schlecker absehbar war. Auf dieser Basis hatte sie eine Schadenssumme von mehr als 25 Millionen Euro errechnet. Inzwischen tendiert sie zu einem Zeitpunkt Ende 2010, der Vorsitzende Richter zum 28. Januar 2011. Dadurch reduziert sich der Umfang der Anklage. Wie sich das auf die zugrunde gelegte Schadenssumme auswirkt, blieb unklar.

  • dpa
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