Prozess gegen Ex-WestLB-Chef: Schlappe für Sengera

Prozess gegen Ex-WestLB-Chef
Schlappe für Sengera

Der Untreue-Prozess gegen den ehemaligen WestLB-Chef Jürgen Sengera wird nicht vorzeitig eingestellt. Zuvor hatten Sengeras Anwälte versucht, den Prozess zu stoppen, weil zentrale Dokumente der WestLB nicht aus dem Englischen übersetzt worden seien. Sengera drohen bis zu zehn Jahren Haft.

HB DüSSELDORF. Die 14. große Wirtschaftsstrafkammer des Düsseldorfer Landgerichts wies am Donnerstag Anträge der Sengera-Verteidiger zurück, das Verfahren wegen angeblicher Formfehler zu stoppen. "Es liegt kein Verfahrenshindernis vor", sagte Richterin Brigitte Koppenhöfer zur Begründung.

Die Anwälte hatten eine Einstellung gefordert, da für den Prozess zentrale Dokumente der WestLB nicht aus dem Englischen übersetzt worden seien und die Anklageschrift ihrer Ansicht nach wesentliche juristische Mängel aufweist. Die Staatsanwaltschaft bestritt dies vehement. Sengera selbst habe in seiner Zeit als WestLB-Chef mit den strittigen englischen Dokumenten gearbeitet, sagte Ankläger Henning Wilke. Zudem werde die Verhandlung gegen den Manager in deutscher Sprache geführt. In der Anklageschrift würden Tatzeit, Tatort und strafbares Verhalten zudem "unmißverständlich mitgeteilt".

Die Kammer entschied, es bestehe keine Veranlassung, bereits frühzeitig alle in der Anklage als Beweismittel aufgeführten Urkunden ins Deutsche zu übersetzen. "Dies gilt umso mehr, wenn der Angeschuldigte den Inhalt der Urkunden erfassen kann." Zudem stelle die Anklage den Sachverhalt "hinreichend konkret und unverwechselbar" dar. "Damit wird das Verfahren fortgesetzt."

Die Ankläger werfen Sengera Pflichtverletzung bei der Vergabe eines milliardenschweren Kredits an den britischen Fernsehgeräte-Verleiher Boxclever vor. Sengera habe als WestLB-Vorstand den Kredit, den die damalige Star- Investmentbankerin Robin Saunders eingefädelt hatte, im Jahr 1999 nur unzureichend geprüft und dem Düsseldorfer Geldhaus damit letztlich einen Schaden von 427 Mill. Euro zugefügt. Wird der ehemalige Spitzenmanager wegen schwerer Untreue verurteilt, drohen ihm bis zu zehn Jahren Haft.

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