Prozess
Madoff kämpft um Milde

Heute rechnet Amerika mit dem vermutlich größten Wirtschaftsbetrüger seiner Geschichte ab. Geht es nach den Staatsanwälten, wird der 71-Jährige die Höchststrafe von 150 Jahren Gefängnis erhalten. Um das Strafmaß abzumildern, hat Ehefrau Ruth Madoff auf einen Großteil ihes Vermögen verzichtet. Ob dieses Zugeständnis ihrem Mann hilft, bleibt fraglich.

NEW YORK. Nur wenige Meter von der Wall Street entfernt, im Gericht für den Distrikt Südmanhattan, wird das Urteil über den Broker Bernard Madoff gesprochen, dessen über 50 Mrd. Dollar schweres Schneeballsystem die US-Finanzmeile Ende 2008 in den Grundfesten erschütterte. "Nach Umfang, Dauer und Ausmaß von Madoffs Verbrechen hat er die maximale im Gesetz vorgesehene Strafe verdient", hieß es im Antrag der Staatsanwälte.

Madoff hatte seit den frühen 80er-Jahren Kundengelder nicht angelegt, sondern für eigene Zwecke missbraucht und die Dividenden der Altinvestoren mit dem Geld neuer Opfer bezahlt. Im Dezember 2008 stellte er sich den Behörden, nachdem infolge der Finanzkrise so viele Investoren ihr Geld zurückgefordert hatten, dass er sie nicht aus Neuanlagen bedienen konnte.

Madoff, seine Anwälte und dann auch seine Frau kämpfen bis zuletzt um die kleine Chance, eine lebenslange Haft zu vermeiden. Ruth Madoff verzichtete am Wochenende auf ihr Vermögen. Wertpapiere für 64 Mio. Dollar, 13 Mio. Dollar in Bargeld sowie ihr 7,5 Mio. Dollar teures Luxusapartment an der New Yorker Upper Eastside übergab sie dem Staat zur Begleichung von Opferforderungen. Ruth Madoff, die bislang immer behauptet hatte, ihr Vermögen habe nichts mit den kriminellen Machenschaften ihres Mannes zu tun, bleiben dann aber immer noch 2,5 Mio. Dollar in bar.

Ob dieses Zugeständnis ihrem Mann tatsächlich hilft, das Gefängnis noch einmal zu Lebzeiten zu verlassen, ist fraglich. Sein Anwalt plädierte auf eine Strafe von zwölf bis 20 Jahren und hob hervor, sein Mandant sei von Anfang an geständig gewesen. Die Staatsanwälte monierten dagegen, er habe nur zugegeben, was unumgänglich gewesen sei. Bis heute seien viele Betrugsdetails ungeklärt. Sie verwiesen auch darauf, dass die Strafe höher liegen müsse als etwa bei Bernard Ebbers, dem früheren Worldcom-Chef. Dieser sitzt für 25 Jahre im Gefängnis, nachdem der Bilanzskandal um das Telekommunikationsunternehmen 2005 einen Schaden von elf Mrd. Dollar verursacht hat.

Im Fall Madoff dürfte es dem zuständigen Richter Dennis Chin bei der Festsetzung des Strafmaßes auch schwerfallen, sich vom Druck der öffentlichen Wut gegen das "Monster Madoff" und der Opferschicksale frei zu machen. 113 der insgesamt 1 341 Betroffenen forderten in Eingaben bei Gericht ein hartes Urteil. "Ich bin 86 Jahre alt, habe ein gebrochenes Knie und Lungenkrebs. Dank Madoff bin ich jetzt auch noch mittellos", schrieb Morton Chalek. "Ich habe meinem 89-jährigen Vater gesagt, er dürfe jetzt nicht sterben, denn wir haben nicht mehr das Geld für eine Beerdigung", erklärte Kathleen Bignell.

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