Prozess wegen Bestechung
Ex-Siemens-Manager entgehen dem Gefängnis

Die erste von gleich mehreren Korruptionsaffären bei Siemens hat vor dem Landgericht Darmstadt ein Ende gefunden. Die Richter haben zwei ehemalige Manager für schuldig befunden, Mitarbeiter des Stromkonzerns Enel bestochen zu haben. Die Angeklagten sind zwar glimpflich davongekommen, dennoch ist es eine tragische Geschichte.

HB/cha DARMSTADT/MÜNCHEN. Der ehemalige Bereichsvorstand Andreas Kley wurde wegen Bestechung und Untreue zu zwei Jahren Haft auf Bewährung verurteilt. Der frühere Berater Horst V. erhielt wegen Beihilfe zur Bestechung eine Strafe von neun Monaten auf Bewährung. Beim Siemens-Konzern wird ein Gewinn aus dem Geschäft mit Enel in Höhe von 38 Mill. Euro abgeschöpft; das Unternehmen kündigte aber bereits an, dagegen vorgehen zu wollen. Siemens sollte nach den Forderungen der Staatsanwälte allerdings knapp 98 Millionen Euro an die Staatskasse abführen.

Das Gericht sah es als erwiesen an, dass die beiden Manager zwischen 1999 und 2002 Mitarbeiter des italienischen Energiekonzerns Enel mit sechs Mill. Euro bestochen haben. Mit dem Geld soll der Münchner Technologiekonzern an Aufträge für Kraftwerksturbinen im Gesamtwert von 450 Mill. Euro gekommen sein. Die Affäre hat allerdings nichts mit den schwarzen Kassen in der Kommunikationssparte Com zu tun, die Konzernchef Klaus Kleinfeld und Aufsichtsratschef Henrich von Pierer letztlich den Kopf gekostet hat.

Kley und Siemens

„Die Firma wollte mich wegen des Verdachts nicht mehr im Amt belassen“, hat Andreas Kley, heute 64 Jahre alt und fast ein gebrochener Mann, am Tage des Prozessauftaktes in Darmstadt Anfang März gesagt. Die Firma, das war Siemens, ein großer Teil seines Leben. Dort hat er 1968 als Lehrling begonnen, er hat es bis zum Bereichsvorstand der Kraftwerksparte gebracht. Und so, wie die Dinge waren im Reiche Siemens, hat er es als Finanzchef dort auch mit schwarzen Kassen zu tun gehabt. Die sind ihm zum Verhängnis geworden, 2004 wurde er mit Millionenabfindung in den Ruhestand geschickt, dem Gefängnis ist er nun nur knapp entkommen.

Drei Jahre und sechs Monate Haft hatte der Oberstaatsanwalt für Kley gefordert. Sein Anwalt Eberhard Kempf, der schon für Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann im Mannesmann-Verfahren die Kohlen aus dem Feuer holte, hatte auf Freispruch plädiert. Kley hat gestanden. Er habe es für die „Firma“ getan.

Tragische Geschichte

Kley verdankt Siemens viel, das macht die Geschichte tragisch. Schon der Vater, Gisbert Kley, war von 1964 bis 1973 Mitglied des Konzernvorstands. Das dürfte die Karriere seines zweiten von insgesamt drei erfolgreichen Söhnen zumindest nicht behindert haben. Schließlich blieb Andreas immer der „kleine“ Kley. Während es seine beiden studierten Brüder, der ältere Max Dietrich bei der BASF und der jüngere Karl Ludwig (heute Merck, früher Lufthansa), zu Vorständen in Dax-Unternehmen brachten, schaffte es Andreas mit seiner Kaufmannslehre „nur“ bis in den Bereichsvorstand. De facto war er damit leitender Angestellter, als solcher hat er aus schwarzen Kassen in der Schweiz und Liechtenstein Schmiergeld bezahlt. Natürlich wird hier jeder Zeitgenosse hellhörig, schließlich verfolgt die Staatsanwaltschaft München im Korruptionsverfahren gegen Manager des Siemens-Telefonbereichs eine fast identische Spur.

Unter Tränen hat Kley vor einer Woche im Gerichtssaal versucht, so etwas wie Reue zu zeigen: „Ich habe meine Arbeit aufgeben müssen, die ich gerne gemacht habe. Das öffentliche Verfahren belastet mich wie eine Strafe. Es wird mir stets bewusst bleiben.“

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