Prozessbeginn
Dauerfehde Kirch contra Breuer

Nach jahrelangem Tauziehen geht es im Dauerstreit zwischen dem Medienunternehmer Leo Kirch und der Deutschen Bank vor dem Münchener Landgericht nun ums Eingemachte. Hintergrund der Dauerfehde ist ein Interview Breuers, in dem dieser die Kreditwürdigkeit der Kirch-Gruppe infrage gestellt hatte.

dpa MÜNCHEN. Wegen des Zusammenbruchs seiner Firmen-Gruppe fordert Kirch einen Schadenersatz von drei Mrd. Euro von der Deutschen Bank. Denn kurz nach dem Breuer-Interview musste das Firmen-Imperium Insolvenz anmelden. Damit geht es in dem Zivilprozess nicht nur um einen Rekord-Schadenersatz, sondern er ist auch ein Showdown zweier kantiger Persönlichkeiten: Der 82- jährige Leo Kirch gegen den ehemaligen Vorstandschefs des größten deutschen Geldhauses, Rolf Breuer.

Der 71 Jahre alte Breuer steht für den Aufstieg der Deutschen Bank unter die großen Geldhäuser der Welt. Nach einer Lehre bei der Deutschen Bank studierte er Jura und promovierte. 1966 kehrte er zurück, wurde Leiter der Börsenabteilung (1974) und später Vorstandsmitglied (1985). Als er 1997 Vorstandssprecher wurde, übernahm er ein auf Deutschland bezogenes Institut mit Schwerpunkten im Kreditgeschäft und bei Privatkunden.

Gegen viele Widerstände baute er das Investmentbanking aus. Weggefährten beschreiben den Manager mit einem Faible für Musik und Kunst als professionell und zielstrebig, wobei er mitunter auch "ein bisschen beratungsresistent" sei. Nicht ganz freiwillig gab Breuer 2006 auch den Aufsichtsratsvorsitz der Deutschen Bank auf. Grund war die Auseinandersetzung mit Kirch.

Ums Geld allein dürfte es dem zuckerkranken Kirch kaum noch gehen, für ihn geht es auch um sein Lebenswerk. Standfestigkeit billigen ihm fast alle zu, die ihn näher kennen. Der studierte Betriebswirt und Mathematiker baute sein Imperium aus eigener Kraft auf. Mit 29 sicherte er sich mit geliehenem Geld in Italien die Rechte an dem Filmklassiker "La Strada". Mit viel Mut zum Risiko und unternehmerischem Gespür für die weitere Entwicklung des Fernsehens in Deutschland baute er in den folgenden Jahrzehnten ein Geflecht von Beteiligungen rund um Fußball, Film, Fernsehen und die Formel 1 auf.

Bei der Expansion ging ihm wiederholt das Geld aus. Doch mit Hilfe seiner guten Kontakte zu Banken und politischen Schaltstellen beschaffte er sich immer wieder milliardenschwere Kapitalspritzen. Am Ende aber hatte Kirch vor allem zu viel Geld in den Bezahlsender Premiere gepumpt und musste Insolvenzantrag stellen. "Der Herr hat's gegeben, der Herr hat's genommen", sagte der fränkische Winzersohn und gläubige Katholik lakonisch nach der Pleite.

Doch bei Fatalismus allein beließ es Kirch nicht. Ganz irdisch machte er vor allem Breuer und dessen Statement für seine Pleite verantwortlich und startete einen juristischen Feldzug gegen ihn. "Ich hätte nie gedacht, dass eine zutreffende Bemerkung, die ja nur wiedergab, was längst in der Öffentlichkeit bekannt war, so einen juristischen Rachefeldzug auslöst", sagte Breuer fast verwundert über Kirchs Kampf gegen ihn. "Lästig ist das schon. Aber ich wache nachts nicht auf und denke: "Herr Kirch, Herr Kirch.'

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