Public Private Partnership
Auf dem Vormarsch

Kooperationen mit dem Staat bieten Chancen für Firmen: Immer mehr Aufgaben, für die der Staat sich früher zuständig fühlte, werden entweder an Firmen abgegeben oder in Form von privaten Betreibermodellen und Kooperationen (PPP) geführt.

BERLIN./DÜSSELDORF. Jeder Wehrpflichtige kommt heute in Kontakt mit der Privatwirtschaft – spätestens, wenn er nach dem Einkleiden seine neuen Bundeswehrsocken anzieht. Vom blauen Boxershort bis zum Tarnanzug: die textile Ausrüstung der Soldaten stellt die LH Bundeswehr Bekleidungsgesellschaft, ein Gemeinschaftsunternehmen von Lion Apparel Deutschland, Hellmann Logistics und dem Bund, der mit 25,1 Prozent beteiligt ist.

Die Bekleidungsgesellschaft der Bundeswehr gilt als Erfolgsmodell für Kooperationen zwischen Staat und Unternehmen: Das Militär spart Geld, die Firmen verdienen, und viele Soldaten wollen die adretten Klamotten nach Dienstende gar nicht wieder hergeben. Und sie steht für einen Trend: Immer mehr Aufgaben, für die der Staat sich früher zuständig fühlte, werden entweder an Firmen abgegeben oder in Form von privaten Betreibermodellen und Kooperationen (PPP) geführt. Das zeigt sich verstärkt in der sich rasant wandelnden Welt des Militärs und der Rüstungsindustrie: Der Vormarsch der Privaten geht vom Management der Bekleidung, über Ausbildung von Hubschrauberpiloten bis hin zur Bereitstellung einer ganzen Flotte von Tankflugzeugen.

Die Kräfte dahinter sind stark: Die Verteidigungsbudgets in Europa und speziell in Deutschland stagnieren oder schrumpfen. Die Regierungen müssen nach Wegen suchen, die immensen Kosten für die oft weltweite Präsenz ihrer Heere zu drücken. Und die Rüstungskonzerne müssen neue Geschäftsfelder finden.

Beispiel Flugzeugtriebwerke: Das Münchener Unternehmen MTU hat im November sein „kooperatives Modell“ mit der Bundeswehr erweitert. Der Vertrag über die Wartung von Triebwerken, der über zehn Jahre läuft, wurde um 100 Mill. Euro aufgestockt und umfasst jetzt gut 500 Mill. Euro. Bei der Bundeswehr sollen sich zusätzliche Kostensenkungen von 37 Mill. Euro ergeben. Die Streitkräfte verzichteten auf eigene Kapazitäten, erläutert ein Sprecher des Verteidigungsministeriums, und vermieden so den Aufbau doppelter Instandhaltungslinien. Einige zivile Mitarbeiter wechselten zur Industrie.

„Vorteile haben beide Seiten“, bestätigt MTU-Manager Stefan Weingartner. Durch den Trend, die Flotten zu reduzieren, werde die Wartung unwirtschaftlicher. „Den Kostendruck bekommen wir nur in den Griff, wenn man die Kapazitäten gemeinsam optimiert und auch reduziert“, sagt Weingartner. Er sieht den Prozess nicht am Ende: „Das kann dahin gehen, dass der Kunde nur noch die Flugstunde kauft.“

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