Public Private Partnerships: Bundesregierung lockt Unternehmen mit PPP-Ausbau

Public Private Partnerships
Bundesregierung lockt Unternehmen mit PPP-Ausbau

Nicht nur die Rüstungsindustrie sucht Kooperationen mit dem Staat in so genannten Public Private Partnerships (PPP). Das Deutsche Institut für Urbanistik verzeichnet seit 2004 einen regelrechten Boom bei Projekten, in denen der Staat einen Teil seiner Aufgaben an Privatunternehmen abgegeben hat.

BERLIN. Die Spanne reicht von einfachen Betreibermodellen bis hin zu Gemeinschaftsunternehmen. Ihre Gesamtzahl sei in Bund, Ländern und Gemeinden auf derzeit 300 gestiegen, das Investitionsvolumen summiere sich auf sieben Mrd. Euro.

Diese Werte dürften weiter steigen – und damit auch die Chance auf zusätzliches Umsatzwachstum für Unternehmen. Denn die neue Bundesregierung will PPP in dieser Legislaturperiode vorantreiben und hat dazu eine Task Force im Bundesverkehrsministerium gegründet. „Das Spektrum der Möglichkeiten, das sich mit PPP abdecken lässt, ist groß. Es reicht vom Betrieb eines Gefängnisses oder Verkehrsleitanlagen bis hin zu Projekten in der Luft- und Raumfahrt“, sagt Staatssekretär Achim Großmann, der das PPP-Thema im Bundesverkehrsministerium koordiniert.

Die deutsche Bauwirtschaft hat ihre Wachstumsstrategie schon länger auf PPP-Projekte ausgerichtet: In vielen Unternehmen der Branche gibt es bereits verantwortliche Manager für diesen Geschäftsbereich. Dabei geht es überwiegend um Partnerschaften bei Errichtung und Betrieb von öffentlichen Einrichtungen wie Schulen oder Verwaltungsgebäuden.

Auch das Mautsystem auf deutschen Autobahnen gilt als PPP-Projekt. Erfahrungen vor allem in angelsächsischen Ländern zeigen weitere Einsatzmöglichkeiten: in der Bildung, Forschung Informatik oder Beschaffung. Die Bundeswehr etwa prüft, ob sie den Großteil ihrer Logistik an einen privaten Dienstleister abgibt – im Gespräch ist die Post-Tochter DHL.

Staatssekretär Großmann warnt zwar davor, in PPP das Allheilmittel für Unternehmenswachstum zu sehen. Er ist sich aber sicher, dass sich in den nächsten Jahren vielfach neue Perspektiven eröffnen. Die Bundesregierung bereitet ein zweites so genanntes PPP-Beschleunigungsgesetz vor. „Wir brauchen weitere Erleichterungen, etwa im Vergaberecht“, sagt Großmann. Die Task Force der Bundesregierung will deutlich machen, in welchen Fällen es sich lohnt, über PPP nachzudenken, und sie will gleichzeitig vor Fehlern warnen. Die zentralen Fragen sind: Ist das Projekt von der Größe her geeignet? Was würde die Umsetzung auf herkömmlichem Wege kosten? Kann es der Private wirklich besser?

Zudem will die Bundesregierung das Wissen über PPP breit streuen: „So unterschiedlich die Projekte auch sind – man kann immer voneinander lernen. Das Rad muss nicht jedes Mal neu erfunden werden“, sagt Großmann. Um PPP-Projekte voranzutreiben, sollen die Methoden in den einzelnen Bundesländern vereinheitlicht werden – etwa in der Software zur Berechnung der Wirtschaftlichkeit. Bislang würden Unternehmen teils mit 16 verschiedenen Berechnungsmethoden konfrontiert.

Klaus Stratmann berichtet als Korrespondent aus Berlin.
Klaus Stratmann
Handelsblatt / Korrespondent
Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%