Publicis-Chef Maurice Lévy holt sich Berater Roland Berger als Gallionsfigur für den deutschen Markt
Die Nadelstreifen-Connection

Wer glaubt, dass Werbung hip und ein bisschen verrückt ist, der liegt spätestens seit der Werbekrise daneben. Werbung ist ein ernstes Geschäft, in dem hart um schrumpfende Etats gekämpft wird und in dem man am besten reüssieren kann, wenn man auf Augenhöhe mit den Chefs der werbetreibenden Industrie verkehrt.

FRANKFURT. Dieser Ansicht scheint jedenfalls der französische Werbekonzern Publicis zu sein, der seine Werbeagentur Publicis Worldwide künftig von dem bekannten Unternehmensberater Roland Berger als Non-Executive Chairman in der deutschen Wirtschaft repräsentieren lässt. Eine Personalie mit Signalwirkung, so will es Holding-Chef Maurice Lévy verstanden wissen. Deswegen reiste er persönlich am Freitag aus Paris nach Frankfurt, um das, was schon seit Tagen inoffiziell bekannt war, zu verkünden. Schließlich gibt es für Holding-Agenturen ansonsten nicht mehr viel Anlass, zu Pressekonferenzen einzuladen, seit die börsennotierten Werbekonzerne ihren Töchtern wegen des Sabanes-Oxley-Acts untersagt haben, über Umsatzzahlen zu berichten.

„Es macht mich stolz, dass mein Freund Roland Berger diese Aufgabe angenommen hat und helfen wird, Publicis Worldwide in Deutschland voranzubringen“, sagte Maurice Lévy den Journalisten. Der 66-jährige Roland Berger selbst findet es „einen Glücksfall“, dass er sich jetzt mit Kommunikation beschäftigen darf, wo sein Zeitbudget wieder größer geworden sei, seit er Mitte 2003 die operative Führung der von ihm gegründeten Unternehmensberatung Roland Berger Strategy Consultants abgegeben hat. Und als hätten sie sich abgesprochen, wurde die Eintracht der Freunde, die sich vor 15 Jahren in einem Wirtschaftsclub kennen gelernt haben, optisch ganz trefflich unterstrichen: beide trugen einen grauen Nadelstreifenanzug.

Als „Door-Opener“, als Türöffner für neue Kunden und neue Etats, will Roland Berger seine beratende Funktion bei der Werbeagentur Publicis nicht verstanden wissen. Aber der exzellent vernetzte Manager will das Thema Kommunikation in den Chefetagen deutscher Konzerne voranbringen. Dass dabei „der eine oder andere Kontakt entsteht“, schließt Berger nicht aus.

„Kamingespräche mit den Chefs deutscher Firmen zu führen, ist eine Sache“, meint dazu ein Manager einer anderen Agentur: „Das dann auch in eine erfolgreiche Kampagne umzusetzen, eine andere.“

Publicis steht zwar als drittgrößte Agentur auf dem deutschen Markt mit Kunden wie Renault, Siemens und Deutsche Telekom nicht schlecht da, kann allerdings in punkto Kreativität durchaus noch zulegen. Das gab auch Rick Bendel, der die operativen Geschäfte von Publicis Worldwide führt, zu.

Mit der Berufung Roland Bergers hat Lévy der Werbeagentur in Deutschland immerhin eine Gallionsfigur verpasst, die seit Ende 2000, als der langjährige Agenturchef Georg Baums in den Ruhestand ging, fehlte. Die Vorstellung, dass Publicis Deutschland in Teilzeit von anderen Managern der Gruppe mitgeführt werden könne, habe sich als Irrtum erwiesen, räumte Lévy ein. Deshalb bekommt die Agenturgruppe im nächsten Jahr mit Manfred Schüller auch wieder einen Deutschlandchef. Diese wichtige – weil das operative Geschäft betreffende – Personalie ging allerdings am Freitag wegen der Prominenz von Roland Berger fast unter. Zumal der 54-jährige Manfred Schüller nicht anwesend war. Grund dafür sei der noch laufende Vertrag mit der Hamburger Agentur Springer & Jacoby, erklärte Lévy. „Hoffentlich ist das kein Omen für das künftige Kräfteverhältnis“, kommentierte ein Branchenvertreter die Szenerie.

Auf Schüller, der sich als langjähriger Geschäftsführer von Springer & Jacoby einen Namen gemacht hat, wartet keine leichte Aufgabe: zum einen muss er die zehn Büros mit 770 Mitarbeitern wieder stärker vereinen, zum andern Lévys Ziel erfüllen, wonach Publicis in Deutschland doppelt so schnell wachsen soll wie der Markt.

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