Pusch und Papke
Prinzip Doppelter Thomas

DHL und Lufthansa Cargo gründen eine gemeinsame Luftfrachtgesellschaft, und jeder schickt einen eigenen Manager als Geschäftsführer ins Rennen. Befriedigt das neue Unternehmen die hochfliegenden Erwartungen, schreiben Thomas Pusch und Thomas Papke ein Stück Industriegeschichte.

DÜSSELDORF. Thomas Pusch und Thomas Papke durften zwar bereits vor zwei Frachtfliegern der Deutsche-Post-Tochter DHL und der Lufthansa für die Fotografen posieren. Doch die Show mussten die beiden Geschäftsführer des neuen 50:50-Joint-Ventures von DHL und Lufthansa Cargo im Asien-Verkehr ihren Konzernchefs überlassen: Klaus Zumwinkel und Wolfgang Mayrhuber saßen höchstselbst auf dem Podium und bejubelten die Allianz. Pusch und Papke dagegen mussten sich mit einem Sitz in der zweiten Reihe begnügen – und das, obwohl DHL-Manager Pusch, der als einer der Architekten der Kooperation gilt, und sein Kollege Papke, zuletzt Einkaufschef von Lufthansa Technik, eine halbe Stunde früher als ihre Chefs zur Pressekonferenz in den Lufthansa-Hangar auf dem Frankfurter Flughafen angereist waren

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Dafür malten die Konzernbosse die Zukunft des Unternehmens, das mangels Namens noch unter dem fantasielosen Arbeitstitel „Newco“ (für New Company) firmiert, in den rosigsten Farben. „Mit der Deutschen Post und der Lufthansa bündeln zwei der erfolgreichsten und professionellsten Logistikkonzerne der Welt ihr Know-how in einem neuen Gemeinschaftsunternehmen“, freute sich Zumwinkel, der den Auftritt sichtlich genoss. Er hat im Moment auch wenig zu lachen – die Diskussion über Mindestlöhne und der zunehmende Druck der Finanzmärkte, die der Post mangelnde Profitabilität vorwerfen, machen ihm schwer zu schaffen. „Mit dem neuen Frachtflieger setzen beide Konzerne ihre langjährigen, erfolgreichen Geschäftsbeziehungen fort“, stimmte Mayrhuber ein. Doch das Gejubel ging am Donnerstag eher unter. Beherrschendes Thema war die Übernahme des Ferienfliegers Condor, an dem Lufthansa noch eine Minderheitsbeteiligung hält, durch den Konkurrenten Air Berlin. An der Börse gaben die Aktien beider Konzerne sogar leicht nach.

Dabei hat es die „Newco“ in sich: Es ist das erste Mal, dass sich ein Luftfrachtanbieter mit einem Logistiker verbündet. In der Tat profitieren beide Seiten von dem neuartigen Zusammenschluss. DHL nutzt die Flieger im Expressverkehr werktags, Lufthansa dagegen stärker am Wochenende. Die Auslastung beider Flotten verbessert sich so deutlich, die Kostenvorteile liegen auf der Hand. „Newco“ fliegt vom Start weg in die erste Liga der Luftfracht – größenmäßig und strategisch. „DHL sichert sich in dem seit Jahren dynamisch wachsenden Markt Transportkapazitäten und Lufthansa Cargo eine Grundauslastung ihrer Flugzeuge“, sagt Ralf Plotzke von der Unternehmensberatung Accenture. Pusch und Papke sitzen in der Branche also doch in der ersten Reihe.

„Newco“ wird mit einem geplanten Umsatz von 500 Mill. Euro im Jahr seinen Sitz am Flughafen Leipzig/Halle haben. Dort baut DHL für 300 Mill. Euro sein neues Europa-Luftdrehkreuz und will bis 2012 rund 3 500 neue Arbeitsplätze schaffen. Mit elf Flugzeugen vom Typ Boeing-777 will dort nun auch „Newco“ an den Start gehen. Die Maschinen, die geleast werden, haben einen Listenpreis von 2,5 Mrd. US-Dollar (1,8 Mrd. Euro). Der Beginn des Flugbetriebs ist für April 2009 geplant.

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