Q-Cells
Nedim Cen: Sanierer auf Zeit

An der Börse war es keine gute Nachricht. Der überraschende Austausch des Finanzchefs am Abend vor der Hauptversammlung sorgte am Donnerstag für Spekulationen und setzte den Kurs der Q-Cells-Aktie unter Druck. Jetzt soll Nedim Cen interimsweise die Finanzen des weltgrößten Sollarzellenherstellers wieder zum Strahlen bringen.

DÜSSELDORF. „Normalerweise stehen Finanzprobleme dahinter, wenn der Finanzvorstand geht“, sagten Analysten am Rande der Q-Cells-Hauptversammlung. Wie in solchen Fällen üblich, beeilte sich das Unternehmen, den Abgang von Hartmut Schüning als freiwillig und auf eigenen Wunsch darzustellen.

Auf jeden Fall konnte der Aufsichtsrat auf der gestrigen Hauptversammlung gleich einen Nachfolger präsentieren, wenn auch nur einen vorläufigen. Nedim Cen soll in den nächsten Tagen über die Finanzen des weltweit größten Herstellers von Solarzellen wachen.



Da wird der 43-Jährige viel zu tun haben. Auch wenn Schüning zu seinem Abschied betonte, die Finanzen des Unternehmens seien „in bester Ordnung“ und die Finanzausstattung sehr solide – bei dem einstigen Vorzeigeunternehmen der Solarbranche aus Bitterfeld-Wolfen ist einiges aus dem Ruder gelaufen. Dreimal wurde die Prognose für das laufende Jahr nach unten korrigiert, im ersten Quartal ist das Unternehmen in die roten Zahlen gerutscht. So verbuchte das Unternehmen wegen einer Abschreibung auf die veräußerte REC-Beteiligung einen Nettoverlust von fast 400 Mio. Euro. Nur durch den Verkauf eines Aktienpakets und die Platzierung einer Anleihe hat der Vorstand die kurzfristigen Liquiditätsprobleme gelöst.

Cen wird daher seine ganze Erfahrung einsetzen müssen, um das Vertrauen der Finanzwelt in den einstigen Börsenstar Q-Cells wieder herzustellen. Der Finanz- und Restrukturierungsprofi mit türkischen Wurzeln begann nach Abitur in Aachen und dem Studium der Betriebswirtschaft an der dortigen RWTH mit anschließender Promotion in Produktionsmanagement an der Wirtschaftshochschule St. Gallen seine berufliche Karriere 1995 bei McKinsey in München als Mitglied des Bereichs Corporate Finance.

Nach Zwischenstationen bei Goldman Sachs und Dresdner Kleinwort kam er 2005 zu Credit Suisse in Frankfurt. Hier beriet er Linde, als der Konzern 2006 seine Gabelstapler-Sparte an die Finanzinvestoren KKR und Goldman Sachs verkaufte. Die Beratung war offenbar so gut, dass Cen im Oktober 2006 bei der inzwischen in Kion umgetauften Gabelstaplerfirma in Wiesbaden das Finanzressort übernahm.

Ob es daran lag, dass der angestrebte Börsengang nicht klappte oder er langfristig unter den neuen Eigentümern keine Perspektive sah – jedenfalls verließ Cen bereits im Juni 2008 Kion wieder. Auch da hieß es „Abschied auf eigenen Wunsch“. Er wechselte als Geschäftsführer zu der auf Finanzberatung sowie Interimsmanagement spezialisierten Münchener Gesellschaft Alvarez & Marsal.

Wie lange Cen bei Q-Cells bleiben wird, ist offen. Das hängt entscheidend von Marcel Brenninkmeijer ab. Der Großaktionär, der sich bisher im Hintergrund hielt, ist seit Mai Vorsitzender des Aufsichtsrats und nimmt die Zügel fester in die Hand. Das wird auch Q-Cells-Chef Anton Milner zu spüren bekommen, der nicht mehr unumstritten ist.

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