Qimonda
Loh Kin Wah: Ein Vielflieger im Chefsessel

Am Mittwoch bringt Loh Kin Wah den Speicherchip-Hersteller Qimonda an die Börse in New York. Für den Malaysier ist es der Höhepunkt einer außergewöhnlichen Karriere.

MÜNCHEN. Wenn alles klappt, wie geplant, wird Loh Kin Wah morgen Früh um halb zehn im Handelssaal der New York Stock Exchange stehen und gespannt auf den ersten Kurs der Qimonda-Aktien warten. Dutzende Kameras werden sich auf den schlanken, grauhaarigen Malaysier richten. Denn mit Qimonda, der ehemaligen Speichersparte von Infineon, wagt Loh einen der weltweit größten und meistbeachteten Börsengänge des Jahres.

Für den Vorstandschef des weltweit zweitgrößten Herstellers von Dram-Chips, also Chips, die dem Computer als Arbeitsspeicher dienen, ist die Emission der Höhepunkt einer außergewöhnlichen Karriere: Denn Lohs Aufstieg begann weder in seinem Geburtsland Malaysia noch in der nahe gelegenen Chip-Hochburg Singapur – sondern in Regensburg.

Es war 1990, und Siemens als ehemalige Muttergesellschaft von Infineon wollte den internationalen Managementnachwuchs stärker. So kam der Ingenieur, der schon zwölf Jahre im Siemens-Werk im malaysischen Malakka hinter sich hatte, in die Halbleiter-Fabrik des Konzerns nach Regensburg. In der bayerischen Provinz war Loh fortan für Chipkarten zuständig.

Wenn Loh über seine zweieinhalb Jahre in Regensburg erzählt, gerät er ins Schwärmen. Der 51-Jährige berichtet begeistert von Kegelbahnen und Stammtischen, von Eishockey und guten Freunden.

Dabei wurden dem neuen asiatischen Kollegen in Regensburg schnell seine Grenzen aufgezeigt. Dass es so kompliziert sein könnte, deutsche Fließbänder bei guter Auftragslage auch am Wochenende laufen zu lassen, hatte sich der ehrgeizige Jungmanager nicht vorstellen können. Kirchen, Betriebsrat, Stadtverwaltung – Loh erinnert sich gut an die vielen Stellen, die er abklappern musste, um die Genehmigung zu ergattern.

„Manchmal konnte ich es einfach nicht verstehen“, wundert er sich noch heute über die festgefahrenen Strukturen. „Du bist hier, um zu lernen, nicht um die Sachen zu ändern“, hieß es schließlich in deutscher Offenheit von seinen Chefs.

Seine forsche Art hat Loh nicht geschadet. 1993 schickte ihn Siemens zurück nach Asien, zügig kletterte er auf der Karriereleiter nach oben. Als der Konzern 1999 seine Halbleitersparte unter dem Kunstnamen Infineon abspaltete, wurde Loh Chef des Asiengeschäfts mit Sitz in Singapur. Es war eine Schlüsselposition, auch wenn Loh dem Vorstand zunächst noch nicht angehörte: Doch der Vater zweier Töchter war verantwortlich für ein Drittel des Umsatzes und für viele Kooperationen im Chip-Dreieck Schanghai, Taipeh und Singapur. Loh hat Dutzende wichtige Partnerschaften mit asiatischen Halbleiterfirmen geschlossen.

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