Quereinsteiger
Michael Pettis: Zwischen Bank und Punk

Tagsüber hält Michael Pettis Vorlesungen an der Universität Peking, abends betreibt er einen Musikclub. Der Amerikaner, der viele Jahre für Bear Stearns arbeitete, hat die Wall-Street-Karriere hinter sich gelassen und in der chinesischen Hauptstadt eine neue Heimat gefunden. Der Ökonom in ihm glaubt fest an den Zukunftsmarkt China – auch für Punk aus Peking.

PEKING. Die Band Cold Case lässt es richtig krachen. Auf der kleinen Bühne im Pekinger Musikclub D-22 geht – irgendwo zwischen Motörhead und den Sex Pistols – die Post ab. Hier, mitten im Studentenviertel Haidian, trifft sich das junge, das freche, das laute China.

Es ist nicht unbedingt der Ort, an dem man einen erfolgreichen Wall-Street-Banker und angesehenen Finanzprofessor vermuten würde. Doch hinter der Bar steht Michael Pettis und wippt heftig zur Musik. Der Amerikaner, der viele Jahre für Bear Stearns gearbeitet hat, ist nun in der chinesischen Hauptstadt der Strippenzieher der Underground-Szene. „Ich bin einfach besessen von dieser Musik“, lacht der 51-Jährige mit dem kantigen Kinn und der rauen Stimme.

Tagsüber unterrichtet Pettis als Professor an der Peking-Universität Finanzwesen, abends steht er in seinem Club D-22 am Tresen. Dazwischen hält er Vorträge, schreibt Bücher, plant Rockkonzerte, verfasst einen viel beachteten Finanzblog und kümmert sich um sein 2007 gegründetes Musiklabel „Maybe Mars“.

Pettis ist ein skeptischer Beobachter, er weiß genau, wie sich Börsenblasen bilden. Vor knapp zehn Jahren machte er sich als „Mr. Doom“ (Dr. Absturz) einen Namen – er hatte die Argentinien-Krise, die 2002 ihren Höhepunkt erreichte, ziemlich genau vorausgesagt. Deshalb ist der Punk-Professor in der Finanzwelt ebenso anerkannt wie in der Underground-Szene. Pettis hat schon die US-Regierung beraten und wurde in Washington in den renommierten Think-Tank „Carnegie Endowment for International Peace“ berufen.

2002 kam der Banker, damals bei Bear Stearns für „aufstrebende Märkte“ zuständig, erstmals nach China. „Ich war von dem wahnsinnigen Wandel und Aufbruch wie verzaubert“, erinnert er sich. Auf dem Heimflug habe er beschlossen, seine Banker-Karriere zu beenden und nach Peking zu ziehen.

Der Start in einem fremden Land war für Pettis allerdings nicht ganz ungewohnt. Als Sohn einer Französin und eines Amerikaners wurde er in Spanien geboren und wuchs in Peru, Pakistan, Haiti und Tunesien auf. Pettis spricht fließend Spanisch, Portugiesisch, Französisch und Urdu. „Mein Chinesisch reicht dagegen gerade mal fürs Taxi“, grinst er.

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