Rachel Lomax ist neue Vize-Chefin der Bank of England
Mit weiblichem Fingerspitzengefühl

Wenn sich die Währungshüter der Bank von England Anfang Juli zur nächsten Zinsentscheidung treffen, gibt es gleich drei Premieren: Zum ersten Mal in der Geschichte der Bank wird mit Rachel Lomax ein weiblicher Stellvertreter an seiner Seite sitzen.

LONDON. Zum ersten Mal seit der Unabhängigkeit 1997 wird der bisherige Gouverneur Sir Edward George nicht mehr im Gremium sitzen. Und erstmals wird zudem sein bisheriger Stellvertreter Mervyn King als oberster Währungshüter die Sitzung leiten.

Kurz vor ihrem 58. Geburtstag erreicht die in Cambridge und London ausgebildete Ökonomin damit etwas, womit sie vermutlich selbst kaum noch gerechnet hätte. Dreimal schon stand sie erfolglos auf der Liste der Kandidaten. Die ersten beiden Male wurde ihr ein Mann vorgezogen. Zuletzt, 1997, lehnte sie ab, weil ihr das Aufgabengebiet Finanzstabilität nicht zusagte.

In ihrer neuen Funktion ist Lomax für die Geldpolitik zuständig, dem bisherigen Aufgabenbereich von King. Ob das auch bedeutet, dass sie künftig den von ihm ins Leben gerufenen, für die Geldpolitik wichtigen Inflationsreport vorstellt, lässt die Bank noch offen. Zwar heißt es, King hänge sehr an seinem eigenen Baby. Es ist jedoch fraglich, ob er als Gouverneur für die Präsentation des für die Geldpolitik der Bank richtungweisenden Reports in seiner neuen Aufgabe noch Zeit hat.

Ob für den Report verantwortlich oder nicht: Die Mutter zweier Kinder sammelte jahrelang Erfahrungen in diesem Bereich. Über 26 Jahre hatte Lomax im Finanzministerium gearbeitet, unter anderem als oberste Wirtschaftsberaterin oder engste Mitarbeiterin des früheren Schatzkanzlers Nigel Lawson. Zu ihren internationalen Erfahrungen gehört eine Berufung an die Spitze der Weltbank, wo sie als Vize-Präsidentin die Aufgaben der Personal-Chefin ausfüllte. Dass diese Tätigkeit nur ein Jahr dauerte, wurde mit einer Reizbeziehung zu dem damaligen Präsidenten James Wolfensohn erklärt. Zuletzt allerdings arbeitete Lomax als Ministerialdirektorin im Transportministerium.

Trotz ihrer vielfältigen Engagements verstummte auch bei ihrer Benennung der Chor der Kritiker nicht, der sich zuletzt bei fast jeder Nominierung meldete. Wie bei vielen ihrer Vorgänger bemängelten manche das fehlende Profil der Kandidatin. Der Ausstieg von Querdenkern wie De Anne Julius and Sushil Wadhwani sei nicht adäquat kompensiert worden, hieß das häufigste Argument. Tatsächlich hat sie in ihren beruflichen Arbeiten viel Flexibilität bewiesen. Nun muss sie sich die Glaubwürdigkeit in der aktiven Geldpolitik erst hart erarbeiten. So wird sich wohl erst nach einigen Sitzungen zeigen, wie stark Lomax wirklich ist. Viele glauben jedoch, dass sich der neue Deputy-Gouverneur trotz der nominell hohen Position erst einmal zurückhält. Die erste Vizegouverneurin der Bank von England hat sich zu ihren politischen Zeiten in Whitehall den Ruf erworben, in politisch schwierigen Fragen über viel Fingerspitzengefühl zu verfügen.

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