Radikalkur für Projekte: Unternehmen haben den Durchblick verloren

Radikalkur für Projekte
Unternehmen haben den Durchblick verloren

Das Arbeiten in komplexen und globalen Projekten nimmt stetig zu. Doch der hieraus resultierende Wildwuchs überfordert die Unternehmen zunehmend. Erste Firmen wie SAP steuern nun gegen. Den Traum vom virtuellen Patchwork haben sie begraben. Vielen anderen Managern fehlt jedoch der Mut dazu.
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DÜSSELDORF. Das hoffnungsvolle Wachstumsprojekt drohte zum Fiasko zu werden. Über zwei Jahre verzögerte sich die neue Mittelstands-Software "Business by design" von SAP. Anfang August nun gab es den offiziellen Startschuss. Etwa eine Milliarde Euro, so schätzen Analysten, hat der Konzern inzwischen investiert.

Ein Grund für den drastischen Zeitverzug: Mangelhafte Abstimmung zwischen den Teams im heimischen Walldorf und im mehr als 10 000 Kilometer entfernten indischen Bangalore, munkelt man intern. Dazu kamen offenbar Reibungsverluste in den Projekten.

Kein Einzelfall, denn das Arbeiten in Projekten nimmt stetig zu. Im Jahr 2020 soll nach Prognosen von DB Research 15 Prozent der deutschen Wertschöpfung in Projekten generiert werden. 2007 waren es noch zwei Prozent. Allerdings ist jedes dritte Projekt wirtschaftlich erfolglos - das räumen Unternehmen, die von der TU Berlin befragt wurden, selbst ein. Die Wissenschaftler um Hans-Georg Gemünden, Professor für Projektmanagement, analysieren seit fünf Jahren rund 110 000 Projekte mit einem Budget von mehr als 100 Mrd. Euro pro Jahr.

Die Kosten steigen enorm

Die Ursachen für das Scheitern: "Manager unterschätzen die Komplexität und blenden Risiken aus", sagt Gemünden. "In vielen Unternehmen herrscht ein Wildwuchs an Projekten, den niemand mehr richtig überblickt." Dadurch benötigt ein Projekt im Schnitt ein Viertel mehr Zeit als geplant, das Budget wird um 16 Prozent überschritten.

So geriet auch das Stahlwerk von Thyssen-Krupp in Brasilien zum Milliardengrab. Die ursprünglich veranschlagten Kosten in Höhe von 1,4 Mrd. Euro haben sich mehr als vervierfacht - der Bau hatte sich durch sumpfiges Gelände, protestierende Fischer und unzuverlässige Partnerfirmen immer weiter verzögert.

Europas größtes Softwarehaus SAP mit seinen 14 000 Entwicklern hat nun Konsequenzen gezogen. Das ausufernde Projektmanagement wurde komplett umgekrempelt. Die Idee vieler Multis vom virtuellen Patchwork-Team, das 24 Stunden rund über den Globus arbeitet - die Walldorfer haben sie desillusioniert begraben.

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  • "bisher ist nur eine Minderheit der Firmen auf agile Projektformen umgestiegen"

    Prust.

    Statt 33% scheitern dann 66% ?

    Statt 16% budgetüberschreitung dann 60% ?

    "Viele Projektleichen sind endlich begraben worden"

    Hmm, und nun ? Macht es die Konkurrenz ? bravo!


    Es ist nicht schwierig, ein Projekt umzusetzen, wenn man es gelernt hat. Leider machen fast alle in der branche ihre Projekte zum ersten Mal. Und haben sie dieses geschafft, bekommen sie ein grösseres was sie noch nicht kennen.

    Die branche ist wie ein bauer, der dieses Jahr ein beet Radieschen, nächstes Jahr ein Feld Kartoffeln und übernächstes Jahr eine Lachsfarm betreibt.

    Er kann nicht lernen.

    Er wird immer nur genutzt, bis er scheitert.

    Die Kosten für Software sind nicht gesunken, sondern im Gegenteil, massiv gesteigen, Weil diejenigen, die es können, es nicht wiederholen dürfen um zu lernen.

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