Radrennstall-Manager Bob Stapleton
„Mein Gott, der arme Junge“

Bob Stapleton, Manager des deutschen Radrennstalls T-Mobile, will den Radsport sauber machen. Doch es gibt Doping im eigenen Team. Sieht er eine Zukunft für den Radsport? Und für T-Mobile?

LOUDENVEILLE. Keine Wut. Nicht einmal Ärger. Nur Mitleid. Bob Stapleton hat Patrik Sinkewitz zum letzten Mal in der Notaufnahme eines Spitals in Tignes gesehen: die Lippe nach einer Kollision mit einem Rentner aus Luxemburg halb abgerissen, mehrere Frakturen im Gesicht. „Mein Gott, der arme Junge“, habe er gedacht, sagt Stapleton.

Der 49-jährige Stapleton ist Manager des deutschen Rennstalls T-Mobile – Patrik Sinkewitz ist einer seiner Fahrer. Sinkewitz wurde im Juni positiv auf Testosteron getestet. Einen Tag nach seinem Unfall wurde das Ergebnis der A-Probe bekannt. Sinkewitz hat Bob Stapletons Arbeit der vergangenen neun Monate zunichte gemacht, er hat ihn den Spöttern zum Fraß vorgeworfen. Bob Stapleton sagt: „Es ist okay so.“

Es braucht eine Menge Mut, urteilen Radsportprofis, so etwas in Zeiten zu sagen, in denen mit inquisitorischem Eifer jeder neue Dopingfall im Radsport recherchiert, besprochen und kommentiert wird. Es braucht Einfühlungsvermögen wie Lebenserfahrung. Und es braucht Größe. Stapleton sagt, er bedauere Sinkewitz in gewisser Weise. „Er ist Teil der Dopingkultur. Diese jungen Kerle sind psychologisch so in sie verstrickt, dass sie keinen Weg da raus kennen.“ Dass sie keinen Weg finden, sagt er nicht.

Dabei hat er einen geboten. Das ist das eigentliche Problem mit Sinkewitz. Dessen positiver Test lässt den Antidopingkampf von T-Mobile plötzlich wirkungslos aussehen. Und Stapleton, als könne auch er nicht halten, was er in letzter Zeit so vehement angekündigt hat: Doping wenigstens in seinem Team auszu-schließen. Entmutigt ihn das? „Nein, wir behalten unseren Kurs bei.“ Sätze wie diese klingen wie Phra-sen. Stapleton aber meint das wirklich so. Er glaubt an seinen Kurs, er hält ihn für richtig. Er geht davon aus, dass man den Radsport sauberer bekommen kann.

Er kommt nicht aus dem Radsport, das ist es, was ihm Glaubwürdigkeit verschafft. Stapleton ist von Beruf Wirtschaftsmanager, er hat das US-amerikanische Mobilfunkunternehmen „Voicestream“ mit aufgebaut, hat ihm jahrelang vorgestanden. Und als es die Telekom 2000 für 23,9 Milliarden Dollar kaufte, ist er dageblieben und hat den Deutschen geholfen, die Marke und ihre Produkte auf dem amerikanischen Markt zu verbreiten.

Ehemalige Kollegen urteilen über Stapleton, dass er anderen den Rücken frei und Schwierigkeiten vom Hals hält. Er entwirft Businesspläne und Visionen. Deshalb ist er hier bei der Tour de France, seiner ersten. Deshalb erreicht ihn der Anruf von Telekom-Chef René Obermann im September vergangenen Jahres.

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