Rainer Bormann
Der Bedrängte

Rainer Bormann galt lange als erfolgreicher Immobilienentwickler. Als Chef des Berliner Projektentwicklers Orco Germany muss er nun herbe Verluste erklären. Die guten Zeiten sind vorbei, das Unternehmen steht kurz vor der Pleite.
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BERLIN/DÜSSELDORF. Nun ist Rainer Bormann doch noch gelandet, angekommen auf dem Boden der Tatsachen. Schon vor Wochen, als der Vorstandsvorsitzende des Berliner Projektentwicklers Orco Germany seine Gäste relativ bodenständig bei Sekt und Häppchen zur Einweihung des neuen Düsseldorfer Bürohochhauses "Sky Office" begrüßte, war klar, die guten Zeiten sind vorbei: In denen wurden schon mal anlässlich der Berliner Filmfestspiele rund 1200 Gäste ins damalige Orco-Objekt "Fehrbelliner" geladen. In die ehemalige Fabrik in Berlin-Mitte kamen damals nicht nur die "Tatort"-Kommissare Klaus J. Behrendt und Dominic Raacke sondern auch Hollywood-Star Jeff Goldblum. Gefeiert wurde bei Champagner, Buffet und Live-Musik bis zum Morgengrauen.

Doch seit einem Jahr ist Katerstimmung angesagt, seit zwei Wochen Katzenjammer: Morgen muss Bormann seinen Aktionären erklären, wieso knapp die Hälfte des Gesellschaftskapitals weg ist und warum das Unternehmen kurz vor der Pleite steht.

Dabei schien Orco jahrelang allen Krisen zu trotzen. Kunstliebhaber Bormann kaufte, was auf dem deutschen und vor allem dem Berliner Immobilienmarkt gut und teuer war: das denkmalgeschützte "Haus Cumberland" am Kurfürstendamm, das Wertheim-Areal am Leipziger Platz - ein Filetstück. Außerdem erwarb er Unternehmen wie die Projektentwicklungssparte der Essener Viterra, die unter anderem das Düsseldorfer "Sky Office" im Gepäck hatte sowie die landeseigene Berliner Gewerbesiedlungs-Gesellschaft (GSG), Vermieter von 45 Gewerbehöfen in der Hauptstadt. Dazu eben noch jene Fabrik an der Fehrbelliner Straße, aus der einmal die "Fehrbelliner" werden sollten: luxuriöse Wohnungen für reiche Berlin-Enthusiasten hauptsächlich aus den USA, die Kaufpreise von bis zu 10 000 Euro pro Quadratmeter zahlen würden.

Doch im Herbst 2008 gerät die Luxemburger Muttergesellschaft Orco Property Group in Schwierigkeiten, Bormann sagt den Bau auf der Münchener Gewerbeimmobilienmesse Expo Real kurzfristig ab und strukturiert sein Unternehmen um: Niederlassungen werden geschlossen, Leute entlassen, Projekte wie die Fehrbelliner verkauft. Der Aktienkurs stürzt von zehn Euro Ende 2007 auf 20 Cent im Frühjahr 2009 ab, erholt sich dann auf knapp einen Euro. Da glaubt er, das Schlimmste sei überstanden. Doch weit gefehlt.

Den "großen Max" habe er markiert, sagen seine Kritiker, zu teuer eingekauft, die Projektentwicklung zu wenig professionell betrieben, zu viel Geld für Marketing ausgegeben. Freunde wie René Gurka, Geschäftsführer der Wirtschaftsförderungsgesellschaft Berlin Partner, zu deren Financiers Orco gehört, schätzen hingegen "seinen Optimismus und seinen Kampfgeist" und fragen, wer die Krise denn habe vo- raussehen können. Auch Fabian Hüther, Investmentchef des Maklerhauses CB Richard Ellis in Berlin, sieht in Bormann einen " Mann mit Visionen", der Berlin vorangebracht hat.

Auf Visionen wird Bormann verzichten müssen. Nüchtern betrachtet ist das Unternehmen, das einst angetreten war, die Hauptstadt und andere Metropolen spektakulär zu entwickeln, zum Verwalter von Gewerbehöfen mutiert: Finanziell Früchte getragen hat bisher nur der Kauf der Berliner Gewerbesiedlungs-Gesellschaft (GSG). Und damit schaffe man immerhin Arbeitsplätze, sagt er. Fraglich nur, ob sich seine Aktionäre morgen mit dieser Story zufrieden geben werden. Der Kurs liegt nur noch bei 70 Cent.

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