Rainer Hecker muss den angeschlagenen TV-Geräte-Hersteller Loewe wieder auf Kurs bringen
Der Fernsehstar kämpft um den Anschluss

Es ist warm in Berlin in jenen Sommertagen 2001. Ein Bummel durch die Messehallen der Internationalen Funkausstellung wird schnell zu einer schweißtreibenden Angelegenheit. Dennoch genießt Rainer Hecker die Auftritte im gleißenden Scheinwerferlicht.

Der Vorstandsvorsitzende der Loewe AG schwimmt auf einer Welle des Erfolgs. Während die Wettbewerber Grundig und Schneider ums Überleben kämpfen, eilt der Chef des Kronacher Fernsehgeräte-Herstellers von einem Rekord zum andern: Die Umsätze sprudeln, Analysten und Medien überschlagen sich vor Lob.

Fast genau drei Jahre später steht Hecker wieder im Rampenlicht. Diesmal aber nicht inmitten der Glitzerwelt der Berliner Funkausstellung, sondern im nüchternen Versammlungssaal des Forum Hotels in München. Es ist Hauptversammlung, und die Anteilseigner wollen von dem 60-Jährigen wissen, wie es weitergeht mit einem Unternehmen, dessen Fernseher zuletzt immer öfter in den Regalen der Händler stehen blieben. Sie wollen Auskunft darüber, wie es sein kann, dass alleine im ersten Quartal ein Verlust vor Zinsen und Steuern von knapp 11 Mill. Euro auflief. Der Umsatz brach im Vergleich zum Vorjahr sogar um 16 Prozent auf rund 60 Mill. Euro ein.

Hecker beschönigt vor seinen Anteilseignern nichts. „Wir haben im vergangenen Jahr nicht das erreicht, was wir uns vorgenommen hatten“, sagt er und gibt unumwunden zu, „die Dynamik des durch die neuen Bildschirmtechnologien veränderten Kaufverhaltens“ unterschätzt zu haben.

Das ist noch milde ausgedrückt, denn tatsächlich ist Loewe in den vergangenen Jahren abgestürzt, wie kaum ein anderes Unternehmen in Deutschland. Und mit ihm der Star der deutschen Fernseh-Macher, Rainer Hecker. Als die einheimische Konkurrenz schon lange in den letzten Zügen lag, schien das Rezept des Unternehmenslenkers noch blendend aufzugehen: Luxus. Fernseher von Loewe waren immer wesentlich teurer als der Durchschnitt aller anderen hier zu Lande verkauften Geräte.

Hecker gelang offenbar spielend, was andere Produzenten ruinierte: Wegen seiner hohen Margen konnte er problemlos in Deutschland produzieren. Die Leute zahlten viel Geld für das außergewöhnliche Design und die fortschrittliche Technik. Doch dann kamen die Flachbildschirme auf und der Markt wandelte sich radikal. Mit einem Mal waren die schicken Designer-Geräte von Loewe für viele Käufer nur noch zweite Wahl. Die Deutschen wollten flache Fernseher – egal von welchem Hersteller. Loewe konnte da nicht mithalten, hatte zu wenige große Flachbildschirme im Angebot.

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