Ralph Baer
Kasten aus Holzimitat

Ohne ihn gäbe es Apple nicht. Ohne ihn gäbe es weder „Gameboy“ noch „Play Station“, noch „X-Box“. Ohne ihn bräuchten wir das Wort „daddeln“ nicht. Wie Ralph Baer eine 40-Milliarden-Dollar-Branche erfand – und was das mit Pirmasens zu tun hat.

PIRMASENS. Ohne Ralph Baer hätten Eltern seit über 30 Jahren nicht ungezählte Debatten mit ihren Sprösslingen ertragen müssen über die Verschwendung von Hausaufgabenzeit zugunsten der Rekordjagd beim Aliens-Abballern, Äffchen-Hüpfen oder Autos-Schrotten auf einem Bildschirm.

Zugegeben: Für manches davon trägt er direkter, für anderes indirekter die Verantwortung. Aber Ralph Baer hat angefangen, das steht fest. Anfang der 70er-Jahre war er es, der die ersten Elektronen auf Fernsehbildschirme schickte, um mit ihnen „Tischtennis“ zu spielen. So wurde Baer zum Begründer einer Branche, die heute weltweit über 40 Milliarden Dollar im Jahr umsetzt – der Video- und Computerspielebranche.

Ralph Baer ist 86 Jahre alt, nur etwa 1,60 Meter groß, drahtig und hellwach. Er war einmal Deutscher, wurde dann Amerikaner wie so mancher seines Jahrgangs. Nun ist er zurückgekehrt in seine Heimatstadt Pirmasens, um etwas dazulassen, damit sein Genie nicht vergessen wird in dem Land, das ihn einst davonjagte. Hier in der Westpfalz hoffen sie, dass Ralph Baers Präsent aus der Vergangenheit der Stadt die Zukunft bringt, die sie schon längst verloren glaubt. Deshalb haben sie ihn eingeladen ins „Dynamikum“, einem neuen Mitmach-Museum, in dem Besucher an Wippen, Schaukeln, Pendeln oder Pumpen Geheimnisse aus den Naturwissenschaften erfahren können.

Doch ehe er Pirmasens beschenkt, erzählt Baer. Hier ist er geboren. Als die Gerberei des Vaters der Inflation erliegt, zieht die Familie nach Köln. Im August 1938 folgt die Flucht nach New York. Dann zurück nach Europa als Soldat. Schicksalhaftes: „Weil ich mir eine Lungenentzündung geholt hatte, war ich bei der Landung in der Normandie im Juni 1944 nicht dabei – auch deshalb lebe ich wohl noch.“

Als Ingenieur heuert er 1956 bei der Rüstungsfirma Sanders an. Er baut Abhörgeräte, um sowjetischem Funkverkehr in Berlin zu lauschen, auch am Mondprojekt 1969 arbeitet er mit. Eigentlich jedoch will Ralph Baer lieber spielen. 40 Millionen Fernsehgeräte gab es in den USA. „Wenn nur mit einem Prozent davon auch gespielt werden könnte, wäre es ein Markt“, sagt sich Baer. 1968 meldet er das erste Patent an – für ein „Telespiel“. Verkaufstour: Konzerne wie General Electric oder Motorola winken ab. Erst der TV-Hersteller Magnavox greift 1972 zu. Sanders stellt Baer frei: Er kann fortan tun, was er will. Also forscht er, um zu spielen.

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