Ralph Müller
AWD Österreich wechselt den Chef aus

Österreichs größter Finanzdienstleister ist so derzeit so unbeliebt wie nie: Rund 2 000 Anleger wollen AWD Österreich wegen falscher Beratung verklagen. Der neue Chef Ralph Müller muss die Wogen glätten und den Ruf des Finanzdienstleisters wiederherstellen. Der Manager bringt ideale Voraussetzungen für die schwere Aufgabe mit.

WIEN. Österreich ist für den Finanzdienstleister AWD im Moment nicht gerade ein einfacher Markt. Im Gegenteil: Der Ruf ist ziemlich ruiniert. Verbraucherschützer attackieren AWD seit Monaten, weil dessen Berater Tausenden Kunden in Österreich die abgestürzten Aktien des Fast-Pleitekandidaten Immofinanz verkauft hatten. Dem Österreich-Ableger des AWD drohen wahrscheinlich mehr als 2 000 Klagen wegen falscher Beratung.

Trotzdem lässt sich Ralph Müller nicht von seinen Karriereplänen abbringen: Zum 1. Juli übernimmt der Banker den Chefposten bei AWD Österreich, bestätigte gestern ein Unternehmenssprecher in Wien. Müller verantwortet dort auch das Osteuropa-Geschäft des Finanzdienstleisters und zieht in der Zentrale in Hannover in den Vorstand ein.

„Mit Ralph Müller gewinnt AWD einen hochkompetenten Experten“, kommentierte Unternehmenschef Manfred Behrens die Berufung. Aus Wiener Sicht ist es noch viel mehr: AWD ist mit der Abwerbung Müllers ein echter Coup in der Alpenrepublik gelungen.

Müller gilt in Österreich als einer der talentiertesten Manager im Finanzwesen und hatte bei seinem bisherigen Arbeitgeber Bank Austria glänzende Karriereaussichten. Weil er das Privatkunden-Geschäft erfolgreich saniert hatte, war der 40-Jährige im vergangenen Jahr in den Vorstand der Wiener Unicredit-Tochter eingezogen. Davor hatte er auch mehrere Jahre im Vertrieb von Finanzprodukten gearbeitet. Aus Sicht von AWD also eine Idealbesetzung.

Das Unternehmen aus Hannover ist mit 100 000 Kunden der mit Abstand größte Finanzdienstleister in Österreich. Der schlechte Ruf hatte schon im vergangenen Jahr für schlechte Zahlen gesorgt: Der Ertrag war 2008 um knapp 88 Prozent auf 4,2 Millionen Euro und der Umsatz um 30 Prozent auf 114 Millionen Euro gefallen. Zahlen, bei denen Ralph Müller ansetzen muss.

Stefan Menzel ist beim Handelsblatt der Spezialist für die Automobilbranche.
Stefan Menzel
Handelsblatt / Korrespondent Automobilindustrie
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