Ratgeber
Der Preis ist heiß

Preise bestimmen unser Leben. Doch wie finden Unternehmen eigentlich den idealen Wert zwischen zu hoch und zu niedrig? Oft gar nicht, sagt Experte Hermann Simon. Zum Nachteil des Kunden – und des Anlegers.
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DüsseldorfIn Deutschland wird immer weniger Bier getrunken. Und dann ist der Freund des Gerstensaftes eher geizig als markentreu: Hierzulande entfallen 70 Prozent des Bierumsatzes im Einzelhandel auf Sonderangebote. Angesichts der Tatsache, dass das „Discounterbier“ in 0,5-Liter-PET-Flaschen kaum noch rabattiert werden kann, ist der Vollzahler ein schützenswertes Individuum – oder eben der Depp.

Auf der anderen Seite sind die Deutschen bereit, für einen halben Liter Cola, der im Supermarkt 89 Cent kostet, an Flughäfen 2,80 Euro und in der Hotel-Minibar fünf Euro zu bezahlen. Oder Kunden berappen zwölf Euro, um als erster in ein Flugzeug steigen zu dürfen. Von ganz verrückten Preisen mal abgesehen: 6250 Dollar kostet das Austragen eines Embryos in Indien oder 1000 Dollar täglich ein Söldner in Afghanistan. Ärzte offerieren Patienten für 1500 Dollar pro Jahr ihre Handynummer und ständige Erreichbarkeit.

Mehr denn je kann man heute alles mit einem Preisschild versehen – bisweilen auf Kosten der Moral. Es ist genau anders herum wie in Spielshows á la „Der Preis ist heiß“. Hier konnten Tausende Menschen bei Kult-Quizmaster Harry Wijnvoord Preise gewinnen. Bei Firmen entscheidet sich die Frage Gewinn oder Verlust über das optimale Bepreisen ihrer Produkte.

Die Welt der Preise ist kompliziert und extrem wichtig für das Wohl und Wehe eines Unternehmens. Nur wenige haben dieses Gebiet so intensiv erforscht wie Hermann Simon. Den Professor und Unternehmensberater kennen viele Leser vor allem aus dem Bereich Mittelstand: „Hidden Champions – Aufbruch nach Globalia“ war sein letzter großer Erfolg als Buchautor.

Nun kommt Simons Buch „Preisheiten“ auf den Markt. Hier kümmert er sich um sein eigentliches Spezialgebiet, nämlich die Preisfindung. Der Autor sammelte die ersten Erfahrungen als kleiner Junge auf dem Bauernhof des Vaters, wo es darum ging, die eigenen Erzeugnisse als Teil einer Genossenschaft an den Mann zu bringen: „Diese Erfahrung hat mich gelehrt, nie ein Geschäft zu betreiben, in dem man keinen Einfluss auf die Preise hat.“

Kommentare zu " Ratgeber: Der Preis ist heiß"

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  • Ich finde bei manchen Produkten die Preisgestaltung auch sehr, sehr abenteuerlich. Mein Beispiel High-End Audio.
    Ich habe einen Freund, Musiker und mit dem "absoluten Gehör" gesegnet mit dem gehen wir gern auf HiFi-Messen.
    Komisch wenn dort 50.000,- € Anlagen stehen und Musik reproduzieren, mal mehr, mal weniger gut, die von einer sorgfältig zusammengestellten Anlage die "nur" 6.000,- €
    kostet locker geschlagen wird. Nur niemand, also kein Verkäufer würde eine 50.000 € und eine 6.000 € jemals zusammen aufstellen. Da geht es dann nur in 2.000 € Schritten hinauf oder hinunter. Verkaufspsychologie ist alles. ;-)
    Schönen Sonntag !
    JC

  • Nachdem ich eine Zeit lang mein Fleisch bei einem der immer weniger werdenden Metzger gekauft habe, mußte ich eines Tages mit ansehen, wie eine Verkäuferin "frisches" Roastbeaf aus einer Verpackung nahm, die ich nur zu gut aus der Metro kannte. Supermärkte werfen einen Großteil ihres Warenangebots wg. abgelaufenen MHD weg, dies muss ja doch in der Kalkulation enthalten sein?! Die Firma Ara läßt ihre Schuhe in Äthiopien zu Stundenlöhnen von 0,10€ produzieren. Regierungen subventionieren einerseits alle möglichen Produkte um sie anschließend zum Teil mit zusätzlichen Steuern zu belasten. Es herrscht schlicht und einfach Chaos und wer kann, nutzt es schamlos aus.
    Als Verbraucher habe ich NICHT wirklich die Chance durch mein verhalten Einfluss zu nehmen, wenn "der Staat" noch nicht einmal kontrolliert, ob ein Versorgungsunternehmen (wie z.B. Teldafax) überhaupt seriös ist- bzw. ein solches Unternehmen ohne jedwede Zulassung mal einfach so auf den Markt darf? Eine "Weltregierung" die den Globalisierungswahn reguliert ist seit 30 Jahren überfällig.

  • Sale: Ungebildete benutzen Anglizismen falsch, Halbgebildete benutzen sie richtig. Gebildete benutzen sie nicht.

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