Ratgeber Führungsstrategien

Was Chefs von Pferdeflüsterern lernen können

Vertrauen ist wichtig - nicht nur beim Führen von Pferden, schreiben Ex-Nestlé-Chef Helmut Maucher und Top-Berater Fredmund Malik. In ihrem neuesten Management-Ratgeber erfahren Leser, was einen guten Chef ausmacht.
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Fredmund Malik (links) und Helmut Maucher haben gemeinsam ein Buch geschrieben.

Fredmund Malik (links) und Helmut Maucher haben gemeinsam ein Buch geschrieben.

Düsseldorf„Dieses Buch gehört zu den herausragendsten Werken über Management.“ Das sitzt – vor allem, wenn ein solcher Satz ganz am Anfang eines Buches im Geleitwort kommt. Bescheidenheit klingt anders und so mancher Leser könnte nach der Lektüre diesen Superlativ für ein wenig übertrieben halten. Aber zumindest mit der Einschränkung „in diesem Jahr“ gilt der Satz.

Denn so ungewöhnlich der Titel „Maucher und Malik über Management“ klingt, so ungewöhnlich ist auch das Buch selbst, das die beiden Granden des Unternehmertums gerade veröffentlicht haben. Es besteht im Wesentlichen aus Vorträgen und Interviews von Ex-Nestlé-Chef Maucher, die Malik in einen größeren Zusammenhang stellt.

Angesichts der ansonsten extrem arbeitsintensiven Bücher, die der Österreicher schreibt, ist dies ein vergleichsweise geringer Aufwand für einen enorm hohen Ertrag. Denn der Leser erfährt viel über die grundlegenden Werte des Managements, die all die neuzeitlichen Veränderungen überdauerten und auch heute noch gelten. Und es ist eine dramatisch ehrliche Abrechnung mit dem heutigen Managementstil, in dem der Anstand genauso oft fehle wie die wesentlichen Tugenden.

Helmut Maucher ist Mister Nestlé. Seit 1964 arbeitet der Deutsche für den Nahrungsmittelriesen. Der 84-Jährige wurde 1980 Generaldirektor und ein Jahr später Delegierter des Verwaltungsrates. Rund 20 Jahre lang zog er die Fäden und baute den Konzern radikal um – mit großem Erfolg. Maucher ist einer der wesentlichen Manager der älteren Generation und so mancher aus der jüngeren Riege sollte sich von ihm etwas abschauen. Fredmund Malik ist einer der weltweit profiliertesten Vordenker und Autor mehrerer Bestseller. Seine Innovationen veränderten in Theorie und Praxis das Management von heute.

Dem Leser wird von vorn herein klar, dass den beiden Fachleuten die kritische Distanz zueinander abgeht, aber das stört nicht weiter. Denn sie befruchten sich in den Begründungen für ihre Kernthese, dass Management heutzutage immer häufiger falsch verstanden wird, nämlich als Mittel, „reicht, berühmt und mächtig zu werden“. Dabei sei Management keine Gewinnmaximierungsmaschine, sondern „der Beruf des Funktionierens“. Und Helmut Maucher gilt Malik als ideales Beispiel, um zu zeigen, wie exzellentes Management in der Praxis funktioniert.

Es gibt keinen einfachen Weg
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13 Kommentare zu "Ratgeber Führungsstrategien: Was Chefs von Pferdeflüsterern lernen können"

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  • Wir finden die Diskussion grossartig. Sie zeigt, wie sehr das Thema den Nerv aller trifft. Wie gehen wir mit unseren Mitarbeitern um? Wie geht man mit Pferden um? Geht es nur ums Geschäft oder ist da mehr? Solange Arbeitskräfte(oder Pferde) im Überfluss bereitstehen, kann man es sich offensichtlich leisten sie zu "verschleissen" und auszutauschen nach Belieben.
    Pferde "gegen die Wand laufen zu lassen", hatte einzig den Sinn, blinden Gehorsam zu erzeugen.
    Die Wirtschaft hat hier weit subtilere Methoden entwickelt.
    Die Zeit für diese Mehtoden ist aber definitiv abgelaufen.
    Schloßhof Hain

  • ... dann wäre aber die Frage, ob die "Führungskraft" im Wilden Westen wirklich eine Führungskraft im Sinne der Autoren ist oder mit roher Gewalt regiert (siehe auch Kommentar unten über Totilas, den ich inhaltlich teile - ein Jammer um das Potenzial dieses Pferdes).
    Zurück zu dem Pferden und Führungskräften: ein Ziel in der Pferde-Arbeit mit Führungskräften ist, dass die Pferde demjenigen, der den Führungsanspruch anmeldet freiwillig folgen. Das tun sie auch - wenn sie Vertrauen und Respekt in der richtigen Balance spüren, wenn das Gegenüber präsent (bei ihnen) und authentisch (bei sich) ist.

  • You are so right - you don't even know how right you are...
    Im Wilden Westen hat man den Pferden frueher die Augen verbunden und sie dann im Galopp gegen eine Mauer reiten lassen, bis sie den Kommandos des Reiters blind vertrauten...oder vorher draufgegangen sind.
    Ach, liebes Handelsblatt - die unfreiwilligen Lacher sind immer noch die besten Lacher.

  • Sie nehmen für diesen Artikel Totilas als Titelbild? Ein Pferd das durch ein "learned helpnessless" Leistungen erbringen musste? Welch ein Vergleich.

  • "Führungskräfte" ist Orwellscher Neusprech.
    Tatsächlich handelt es sich um "Treiberkräfte", kurz "Antreiber". Denn sie stehen hinter den Linien und nicht an der Arbeitsfront.

    Führungskräfte gehen voran und zeigen, wie es geht.
    Das trifft z.B. auf Handwerksmeister zu.

  • Und weil in den letzten Jahrzehnten solche Leute die Konzerne lenken, wird das Arbeitsklima immer besser, die Wasserköpfe verschwanden und die Ameisen werden nicht mit immer mehr Arbeit zugeschüttet, die Selbstbedienungsmentalität der "Führungskrägte" gibt's auch nicht mehr.

    Wenn ich mir so durchlese, was diese Typen für Führungskompetenz halten, dann wundert mich gar nichts mehr. Ein weiteres Buch, das den Niedergang spiegelt.

    Kein Wort über DIE Kernelemente, die WIRKLICH gute Führung kennzeichnen:
    1. Vorbild reißt mit. Eine gute Führung leistet selbst immer mehr, als sie von anderen verlangt. Dies ist auch gleichzeitig die richtige Definition von ELITE.
    2. Kompetenzen und Verantwortung bedingen einander. Nicht kassieren, aber sich bei anderen abputzen.
    3. Verantwortung ist eine persönliche Kategorie. D.h. nur klare Hierarchien gewährleisten die persönliche Verantwortung. Jeder Ausschuß, jede gemeinschaftliche "Entscheidung" stellt nichts anderes dar, als daß sich Verantwortliche Manager ihrer Verantwortung entziehen.

    Es gäbe noch viel mehr dazu zu sagen, aber wer diese drei Punkte mal als Maßstab anlegt wird schnell merken, daß sie dazu führen, daß sich die fleißigen Mitarbeiter auf ihre Chefs verlassen können, daß Mobbing kaum eine Chance hat, weil ein solches Führungspersonal selbst mehr ist, als es scheint und somit im diametralen Gegensatz zur modernen Unternehmensunkultur des Blendens steht.

    Wenn solche hochbezahlten Leute so ein Gewäsch abliefern und auch noch glauben etwas gehaltvolles abzuliefern, dann zeigt das nur, warum es immer mehr bergabgeht.

  • Nein, ich habe den Artikel gar nicht gelesen. Ich denke nciht, dass sich das lohnt. Das Vertrauen von Tieren und Menschen gewinnt man, indem man vertrauenswürdig ist, so einfach ist das. Bei Tieren kommt noch hinzu, dass man die Übersetzung in deren Ausdruckssprache kennen sollte. Unter Menschen ist das obsolet. Ein authentischer Chef, der meint was er sagt und seine Mitarbeiter nicht linkt - das reicht schon. Bei W. Grupp z.B. bin ich mir sicher, dass seine Mitarbeiter ihn nicht unbedingt lieben. Aber Respekt und Loyalität wird so einer, welche Macken er auch sonst hat, immer erzeugen. Ganz ohne Methoden und dumme Bücher.

  • Ich kann mich izh000 nur anschließen - Nestlé und Moral???
    Das ist ein Widerspruch, wie er größer nicht sein kann. Wenn Nestlé in Ländern wie Pakistan Grundwasser in großem Stil abpumpt, um es dann in Flaschen als Trinkwasser nach Pakistan, Indien etc. zu verkaufen, dabei aber in Kauf nimmt, dass weite Gebiete im Umfeld trocken gelegt werden und den Menschen ihre Brunnen versiegen - ist das moralisch? Ist es moralisch, den Menschen das Wasser erst wegzunehmen und dann teuer zum Verkauf anzubieten?
    Das sei dahingestellt. Maucher hat sehr wohl recht - über Moral reden und moralisch handeln sind zwei grundsätzlich verschiedene Dinge. Aber die Masche funktioniert anscheinend immer wieder, dass man als moralisch assoziiert wird, nur wenn man über Moral redet. Die Frage ist doch, ob Nestlé seinen Reichtum wirklich durch „gutes“ Management oder einfach durch Dreistigkeit erlangt hat.

  • Diese mit fünf Seiten recht umfassende Inhaltsangabe des Buches, die keine Rezension darstellt, und jegliche kritische Distanz vermissen lässt, bleibt u.a. die Angabe schuldig, was Malik und Maucher jemals mit Pferden zu tun hatten.

  • Man kann in diesem Zusammenhang ruhig erwähnen, dass Maucher den Begriff "Wohlstandsmüll" prägte, mit dem er Menschen herabwürdigte, die arbeitsunwillig seien. War 1997 Unwort des Jahres.

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