Rationalisierungsrisiken
Wegen Krankheit geschlossen

Es gibt viel zu tun, lassen wir uns krankschreiben! Die alte Verballhornung eines bekannten Slogans ist im Heute gar nicht mehr witzig. Jahrelang bauten Unternehmen Personal ab – und plötzlich zieht die Konjunktur an. Eine neue Studie zeigt: Wenn es gelbe Scheine hagelt, gehen Unternehmen ganze Aufträge verloren.

Manager bewerten die dünne Personaldecke, die in vielen Unternehmen vorherrscht, als erhebliches Risiko. Das zeigt eine aktuelle Studie, die das Instituts für Management- und Wirtschaftsforschung gemeinsam mit Handelblatt.com durchgeführt hat. Selbst empfindliche Bereiche wie die Produktion seien betroffen, sagt der Leiter des Instituts, Wilhelm Alms. So gab fast jede zweite der 314 befragten Fach- und Führungskräfte an, dass ihr Unternehmen bereits Aufträge aufgrund krankheitsbedingter Ausfälle verloren habe. Etwa 90 Prozent sahen sich in der Vergangenheit gezwungen, Fertigungstermine zu verschieben.

Auch ohne die akute Gefahr einer Krankheitswelle bereitet der Bereich Produktion den Managern am meisten Kopfzerbrechen. 57,5 Prozent der Befragten befürchteten, die Fertigung könne zum Erliegen kommen, wenn ein großer Teil der Belegschaft beispielsweise an den einer Grippe erkrankt. Um eine reibungslose Betreuung von Kunden sorgen sich 44,1 Prozent – um den Vertrieb immerhin noch 43,9 Prozent. Als widerstandsfähiger stufen die Fach- und Führungskräfte ihre Forschungsbereiche (18,9 Prozent) und den Einkauf (9,4 Prozent) ein.

Für die kritische Lage machten die befragten Entscheider Rationalisierungseffekte veranwortlich. 47,5 Prozent bestätigten in den vergangenen zwölf Monaten Arbeitsplätze abgebaut haben, dazu zählten insbesondere Firmen mit bis zu 1 000 Mitarbeitern. Im Branchenvergleich stand das produzierende Gewerbe bei den Personalrationalisierungen ganz oben: So gaben fast 60 Prozent der Manager aus Industrie und Handwerk an, in den letzten 12 Monaten Stellen gestrichen und nicht wieder besetzt zu haben.

Warum die Unternehmen im momentanen Aufschwung nur sehr zögerlich ein Ende setzen und neue Stellen schaffen, wurde in der Online-Befragung nicht erhoben. Institutsleiter Wilhelm Alms aber weiß aus anderen Studien: „Jedes zweite Unternehmen beklagt, es würde keine geeigneten Mitarbeiter finden – selbst für einfache Handlangertätigkeiten nicht.“ Zudem baue der verantwortungsvolle Unternehmer derzeit noch sehr zögerlich Stellen auf.

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