Rauswürfe
Schmiergeld: MAN kehrt mit eisernem Besen

Seinen obersten Lkw-Verkäufer hat MAN bereits zum 1. Oktober in die Wüste geschickt. Heute ist die nächste Top-Kraft des Münchener Mischkonzerns über die Korruptionsaffäre gestolpert. Das Unternehmen hat Sabine Drzisga, die im Vorstand der Nutzfahrzeugsparte für Recht, Controlling und Vertrieb zuständig ist, mit sofortiger Wirkung beurlaubt.
  • 0

MÜNCHEN. MAN-Chef Håkan Samuelsson setzt damit seinen internen Säuberungskurs fort. Schon kurz nachdem die Bestechungsaffäre im Frühjahr bekannt wurde, musste der Vertriebschef der Lastersparte seinen Hut nehmen. Zu Monatsbeginn hat MAN dann fast die gesamte Spitze des Lastwagenvertriebs ausgetauscht.

Seit Mai geht die Münchener Staatsanwaltschaft dem Verdacht nach, dass vor allem im Lastwagen-Geschäft Verkäufer in den Niederlassungen Bestechungsgelder an Mitarbeiter von MAN-Kunden zahlten. Das sollte den Verkauf ankurbeln. Die Behörden haben weit mehr als 100 Beschuldigte im Visier. Das Geld soll teils über Konten von Angehörigen und Freunden der Empfänger geflossen sein.

MAN hat der Staatsanwaltschaft von Beginn an volle Kooperation zugesagt und unabhängige Ermittler eingeschaltet, die das Geschäftsgebahren der vergangenen zehn Jahre unter die Lupe nehmen. Mitte Dezember sollen die von MAN angeheuerten Juristen dem Aufsichtsrat ihren Abschlussbericht vorlegen.

Zudem hat MAN einen Juristen verpflichtet, der vom 1. Januar an den neu geschaffenen Bereich für Korruptionsbekämpfung führen soll. Bislang war der Leiter der Rechtsabteilung dafür zuständig. Der neue Compliance-Chef Olaf Schneider kommt vom US-Konzern General Electric. Das Unternehmen gilt als Vorbild in Sachen gute Unternehmensführung. Siemens hatte seinen Compliance-Vorstand ebenfalls bei den Amerikanern abgeworben, nachdem der Konzern unter einem in seiner Dimension noch viel größeren Skandal schwarzer Kassen zu leiden hatte.

Die nun von MAN beurlaubte Sabine Drzisga arbeitet schon seit Anfang der 90er Jahre für die Traditionsfirma und war von 2001 an für das Berichtswesen und Controlling der MAN Nutzfahrzeuge zuständig. Später führte sie die Busgeschäfte, ehe die Managerin 2007 in den Vorstand der Lastersparte aufrückte. Wie genau die Diplom-Kauffrau in die Schmiergeldaffäre verstrickt ist, wollte ein Konzernsprecher nicht sagen. Ihre Aufgaben übernimmt bis auf weiteres MAN-Nutzfahrzeuge-Chef Anton Weinmann.

Seite 1:

Schmiergeld: MAN kehrt mit eisernem Besen

Seite 2:

Kommentare zu " Rauswürfe: Schmiergeld: MAN kehrt mit eisernem Besen"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%