Reaktion auf Anleger-Kritik
Stühlerücken im Post-Vorstand

Nach massiver Kritik von Anteilseignern an der Geschäftspolitik der Deutschen Post muss der langjährige Finanzvorstand Edgar Ernst seinen Posten räumen. Sein Nachfolger steht bereits fest. Die Personalie hat weiteres Stühlerücken im Vorstand zur Folge.

HB DÜSSELDORF. Das Amt des Finanzvorstandes solle ab Oktober der bisherige Logistik-Vorstand John Allan übernehmen, teilte der Konzern am Freitag in Bonn mit. Allan, der bereits den von der Post übernommenen britischen Logistiker Exel geführt hatte, genieße „bestes Ansehen“ am Londoner Kapitalmarkt, hob die Post hervor. Neuer Logistik-Vorstand soll Frank Appel werden, der als Kronprinz von Konzernchef Klaus Zumwinkel gilt. Zumwinkels Vertrag läuft Ende kommenden Jahres aus.

Allan soll nun die neue Kapitalmarktstrategie des Konzerns ausarbeiten, die bei einem Investorentag am 8. November vorgestellt werden soll. Er kündigte an, dabei auf „größere Effizienz, höhere Wertschöpfung, mehr finanzielle Transparenz“ setzen zu wollen. Ein tiefgreifender Umbau des Konzerns oder ein Verkauf der Tochter Postbank sei aber nicht geplant, betonte er.

Zumwinkel hatte erst Anfang August vor Analysten eingeräumt, dass es Kritik von Anteilseignern gegeben habe. Grund dafür sei auch mangelnde Transparenz in der Kommunikation mit den Kapitalmärkten. Der Konzern nehme dies sehr ernst und wolle mit einem Bündel von Maßnahmen reagieren.

Bei der Hauptversammlung des Konzerns im Mai in Köln hatte unter anderem die Fondssparte der Deutschen Bank, DWS, harsche Kritik an den andauernden Verlusten des Konzerns im US-Expressgeschäft und dem ihrer Ansicht nach zu geringen Gewinnwachstum geübt. Dauere die Entwicklung an, drohe der Post die Zerschlagung. Vor allem die Tochter Deutsche Postbank hatte immer wieder Begehrlichkeiten von Konkurrenten geweckt. Eine Rosskur will Allan dem Konzern aber nicht verordnen: Die Struktur des Konzerns stehe nicht zur Disposition, betonte er.

Über einen Abgang von Ernst war schon länger spekuliert worden. Berichte über eine bevorstehende Ablösung hatte die Post aber entschieden dementiert. Noch am 31. August hatte ein Post-Sprecher gesagt, derartige Spekulationen seien „definitiv Unsinn“. Nun muss der 55-Jährige, dessen Vertrag eigentlich 2010 auslief, zum Ende des Monats seinen Hut nehmen. Ernst wolle sich auf seine Honorarprofessur an der Uni in Koblenz-Vallendar konzentrierten, teilte die Post offiziell zur Begründung mit.

Ernst kam wie Zumwinkel von der Unternehmensberatung McKinsey zur Post und ist seit 1990 im Konzern tätig. 1992 war er zum Vorstandsmitglied aufgerückt. Allan hatte Exel geführt, welche die Post 2005 in einer milliardenschweren Transaktion geschluckt hatte. In seiner Zeit bei Exel habe er „sehr enge Kontakte“ zu den Kapitalmärkten unterhalten, bescheinigte er sich selbst.

Der Wettbewerbsdruck auf die Post im wichtigen deutschen Briefgeschäft erhöht sich stetig, da der Konzern zum Jahresende sein Monopol auf die Beförderung von Briefen mit einem Gewicht von bis zu 50 Gramm verliert.

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