Reformer des Jahres
Thomas Sattelberger – Vorkämpfer einer Kulturrevolution

Thomas Sattelberger hat der Deutschen Telekom nicht nur eine Frauenquote in Führungspositionen verordnet, sondern damit auch in Deutschland eine Kulturrevolution ausgelöst. Die Familie rückt wieder ins Bewusstsein - auch von Führungskräften.
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Um ein tadelloses Mitglied einer Schafherde sein zu können, müsse man vor allem ein Schaf sein, hat Albert Einstein einmal lakonisch festgestellt. Dass das Erfolgsprinzip Ähnlichkeit analog nicht nur für Wolfsrudel und Bienenvölker, sondern auch für Männercliquen gilt, ist zweifellos einer der Gründe dafür, dass Frauen in den obersten Führungsetagen deutscher Unternehmen nach wie vor die Ausnahme sind.

Mit der Selbstverpflichtung der Deutschen Telekom, bis 2015 konzernweit 30 Prozent der Führungspositionen mit Frauen zu besetzen, hat Thomas Sattelberger der Monokultur im Management den Kampf angesagt - und damit auch der ungeheuren Talentverschwendung, die viele deutsche Unternehmen sich bis heute leisten.

Frauen sind heute genauso gut, oft sogar besser ausgebildet als Männer. Doch während Männer zwischen 30 und 40 häufig zwei, drei Karrierestufen auf einmal nehmen, machen Frauen in dieser Lebensphase oft zwei, drei Jobs auf einmal: Teilzeitstelle, Kindererziehung und Haushalt.

Vielfach sind es die Strukturen unserer Arbeitswelt, die solche Rollenmuster erzwingen. Denn bisher ist unsere Arbeitswelt gerade in den Führungsetagen in weiten Teilen immer noch auf Männer zugeschnitten - oder allgemein formuliert: auf Menschen, die Verantwortung delegieren können.

60- bis 80-Stunden-Wochen, Besprechungen und Telefonkonferenzen abends um neun, Erreichbarkeit quasi rund um die Uhr: Das ist der Alltag vieler Top-Führungskräfte, die sich dem Diktat der uneingeschränkten Verfügbarkeit nur deshalb so kompromisslos beugen können, weil zu Hause jemand den Kühlschrank füllt und für steten Nachschub an gebügelten Hemden sorgt. Das Prinzip "Karriere wird nach Feierabend gemacht" bezahlen diejenigen mit eingeschränkten Aufstiegschancen, die nach Feierabend nicht Karriere, sondern die Kinder bettfertig machen.

Die Auszeichnung als "Reformer des Jahres 2010" verdient Thomas Sattelberger deshalb nicht in erster Linie für die unternehmensinterne Frauenquote, sondern vor allem für die Kulturrevolution, die er der Deutschen Telekom als ihr Personalvorstand verordnet hat, um diese Quote zu erreichen. Wegweisend - im doppelten Wortsinn! - ist seine klare Ansage: "Frauenförderung ist eingebettet in die Frage nach der Art, wie man ein Unternehmen führt und Arbeit koordiniert." Wegweisend ist seine Entscheidung, auch Führungskräften Teilzeitarbeit zu ermöglichen und anzubieten.

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