Regeln für das erfolgreiche Mannschaftsspiel
Kein Team ohne Disziplin

Stimmt die Chemie – umso besser. Entscheidend für gute Teamarbeit sind jedoch weder persönliche Sympathien noch die Unternehmenskultur. Teams sind erfolgreich, wenn ihre Mitglieder einige Grundsätze und Regeln beachten.

Mannschaftsspiel kann man lernen – entgegen der Meinung des Zeitgeists. Funktionierende Teams sind weder durch spezielle Gefühlsdimensionen geprägt, noch durch die vielbeschworenen „Kulturen“ im Vorteil. Gute Mannschaftsspieler zeichnen sich vielmehr durch Grundsätze und Regeln aus, auf die sie sich geeinigt haben und an die sie sich halten. Wo immer man ein Versagen eines Management-Teams genauer untersucht, zeigt sich, dass die Ursachen in der Unkenntnis dieser Tatsache liegen.

Erster Grundsatz ist, dass die Aufgaben klar sein müssen, die es zu erfüllen gilt. Ein Team ist weder ein Ort individueller oder kollektiver Selbstverwirklichung noch ein solcher des demokratischen Konsensdiskurses, wie manche das zu formulieren belieben. Teams braucht man dort, wo Aufgaben zu erfüllen sind, die Kraft und Fähigkeiten von Einzelnen übersteigen. Sonst benötigen wir sie nicht und können uns die Schwierigkeiten und Umständlichkeiten ersparen, die mit Teams typischerweise verbunden sind.

Der zweite Grundsatz ist, dass wirksame Teams eine präzise Arbeitsteilung haben müssen. Die Aufgaben werden zwar koordiniert erfüllt, aber nicht im engeren Sinne gemeinsam. Jeder erledigt seinen Teil der Aufgabe; alle anderen müssen lediglich wissen, was das ist und müssen sich darauf verlassen können. Daher findet man in guten Teams eine durchdachte und präzise formulierte Geschäftsordnung, in der geregelt ist, wer was zu machen hat.

Disziplinlosigkeit ist Gift für jedes Team

Der dritte Grundsatz arbeitsfähiger Teams ist rasch formuliert: strikte Disziplin. Dieses Prinzip ist in den beiden vorherigen Grundsätzen schon enthalten, kann aber gar nicht deutlich genug gemacht werden. Disziplinlosigkeit ist Gift für jede Art von Team, und zwar nicht nur im Management.

Nebst diesen Grundsätzen befolgen funktionsfähige Teams ein paar weitere Regeln. Es sind deren sechs. Erstens hat jedes Mitglied eines Topmanagement-Teams in jeweils dem eigenen Verantwortungsbereich das letzte Wort. Das Mitglied spricht für das ganze Team und verpflichtet es auf bestimmte Inhalte.

Die zweite Regel besagt dementsprechend, dass keiner eine Entscheidung in einem anderen Verantwortungsgebiet trifft. Diese beiden Regeln bedingen und ergänzen sich gegenseitig. Sie schaffen Klarheit und Geschwindigkeit, und sie garantieren die Handlungsfähigkeit. Verstöße stiften nicht nur Durcheinander in einer Organisation und paralysieren ihre Effektivität, sondern führen auch unweigerlich zu Machtkämpfen.

Drittens: Bestimmte Entscheidungen müssen dem Team als Ganzes vorbehalten sein. Diese Regel ist die Sicherung gegen den Missbrauch der ersten beiden Regeln, die ohne ein Korrektiv zu feudalen Fürstentümern innerhalb einer Organisation führen – und zum Zerfall des Teams. Schnelligkeit und Handlungsfähigkeit sind wichtig, aber sie müssen in den Dienst des Ganzen gestellt sein. Daher dürfen gewisse Entscheidungen von niemandem allein getroffen werden. Sie benötigen die Zustimmung aller. Typische Fälle sind etwa Akquisitionen und Allianzen, große Innovationen oder kritische Personalentscheidungen.

Böse Zungen sind verboten

Die vierte Regel verbietet böse Zungen und fordert Geschlossenheit im Auftritt: Außerhalb des Teams darf es keinerlei Bewertung von Teammitgliedern durch andere Mitglieder geben. Die Teile der Mannschaft brauchen sich nicht zu mögen. Es darf aber keine Agitation geben. Diese Regel gilt für die Wirkung nach außen. Innerhalb eines Teams mag es heftige Auseinandersetzungen geben. Das ist kaum zu vermeiden, wenn es um lebenswichtige und riskante Entscheidungen für das Ganze geht. Nach außen hat man aber zu seinen Kollegen keine Meinung – nicht einmal Lob.

Die fünfte Regel: Jedes Teammitglied ist verpflichtet, alle anderen Mitglieder über alles informiert zu halten, was in seinem Verantwortungsbereich vor sich geht. Auch das ist ein Korrektiv zu Regel eins. Wenn schon autonome Entscheidungsbefugnis in jedem Verantwortungsbereich, dann muss es auch vollen Zugang zu den Informationen an alle anderen geben. Sechstens ist ein Team kein Komitee – das heißt: es braucht einen Vorsitzenden. Teams haben nichts mit Demokratie, dafür umso mehr mit Wirksamkeit zu tun. Man ist Mitglied eines Teams nicht um sich wohl zu fühlen, sondern um einen Beitrag zu leisten. Der Teamleiter hat auf strikte Einhaltung der Grundsätze und Regeln zu achten, und im Falle von Pattstellungen muss er die Entscheidungsfähigkeit des Teams sicherstellen können. Daher braucht er ein Stichentscheidungsrecht, an dessen seltenem Einsatz man den guten Teamleiter erkennt.

Insofern diese Grundsätze und Regeln eingehalten werden, ist die ständig zitierte „Chemie“ in der Gruppe weitgehend bedeutungslos. Ist sie in Ordnung, umso besser. Wenn nicht, haben wir trotzdem ein funktionsfähiges Team – und zwar, weil die Regeln beachtet werden. Kein vernünftiger Mensch überlässt eine Organisation den Zufälligkeiten der „Chemie“.

Unter dem Titel „Malik on Management“gibt der Gastautor einen Newsletter heraus. Nähere Informationen im Internet unter oder per E-Mail: Angela.Stupp@mzsg.ch.

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