Regierung nominiert
Jürgen Stark ist der deutsche EZB-Kandidat

Zumindest auf deutscher Seite ist die Debatte um einen Nachfolger für das scheidende EZB-Direktoriumsmitglied Otmar Issing beendet. Die Bundesregierung hat den stellvertretenden Bundesbank-Chef Jürgen Stark als Nachfolger nominiert. Der Name fällt nicht zum ersten Mal.

HB BERLIN. Ein Sprecher des Finanzministeriums sagte am Donnerstag in Berlin, das Bundeskabinett habe die Personalie bereits am Dienstag verabschiedet. Der Entscheidung war ein monatelanges Rätselraten über einen deutschen Ersatz für den Chefvolkswirt der Europäischen Zentralbank (EZB) vorausgegangen.

Bundesfinanzminister Peer Steinbrück wird die Personalie seinen europäischen Amtskollegen voraussichtlich im Februar unterbreiten. Die endgültige Entscheidung liegt bei den Staats- und Regierungschefs der Europäischen Union (EU). Starks Aussichten gelten als sehr gut.

Die Bundesbank begrüßte die Entscheidung der Bundesregierung. „Stark ist ein fachlich und persönlich geeigneter Kandidat für das Direktorium der EZB“, erklärte Präsident Axel Weber.

Der 57-jährige Stark gilt als entschiedener Anhänger einer Politik der Geldwertstabilität, verfügt über ein hohes Maß an internationaler Erfahrung und gilt als einer der Architekten des europäischen Stabilitäts- und Wachstumspaktes. Stark war bereits 1998 für einen Posten im ersten EZB-Direktorium im Gespräch. Damals entschied sich die Regierung Helmut Kohls für den damaligen Bundesbank-Chefvolkswirt Issing.

Für den der CDU nahe stehenden Finanzstaatssekretär Stark war eine nicht minder wichtige Position gedacht – die Nachfolge von Bundesbankpräsident Hans Tietmeyer. Doch der Regierungswechsel zu Rot-Grün machte diesen Plan zunichte. Der Rheinland-Pfälzer musste sich mit dem Amt des Vizepräsidenten unter Ernst Welteke begnügen. Seine scharfe Kritik an der finanzpolitischen Bilanz der rot-grünen Regierung kostete Stark 2004 das zweite Mal die Ernennung zum Bundesbankpräsidenten.

Der Ernennungsprozess wird voraussichtlich im Januar im Kreis der Finanzminister der Euro-Staaten eingeleitet. Für die österreichische Präsidentschaft wird Finanzminister Karl-Heinz Grasser seine Kollegen auffordern, geeignete Kandidaten für Issing zu benennen, dessen Amtszeit Ende Mai ausläuft. Auf der Sitzung der Euro-Gruppe im Februar werden die Mitgliedstaaten dann ihre Empfehlungen vortragen. Die Finanzminister der Europäischen Union empfehlen dann den Staats- und Regierungschef einen Kandidaten, welche in endgültig ernennen. Stark könnte damit seinen neuen Posten einen Tag nach seinem 58. Geburtstag zum 1. Juni antreten.

Es gilt als unwahrscheinlich, dass Stark Issing auch in seiner Funktion als Chefvolkswirt beerben wird. Spekuliert wird vielmehr darüber, dass Issings Bereich Volkswirtschaft und Forschung aufgeteilt wird und Stark sich wie bei der Bundesbank um internationale Beziehungen kümmern wird.

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