Registerrecht
Zittern vor den offenen Büchern

Zum ersten Mal müssen etliche Unternehmer ihre Jahresabschlüsse veröffentlichen. Vor allem Mittelständler geben damit oft mehr preis, als ihnen lieb ist. Doch die Firmen können von den neuen Anforderungen auch profitieren.

DÜSSELDORF. Für viele Mittelständler und Familienunternehmer fängt das neue Jahr alles andere als gut an: Zum ersten Mal haben sie zum Jahreswechsel ihre Bilanzen veröffentlicht - und das alles andere als freiwillig. Damit sind nun wichtige Zahlen und Finanzberichte über das jeweilige Unternehmen für jedermann im Internet einzusehen. "Allein der Gedanke daran sorgt sicher bei dem ein oder anderen Unternehmer für schlaflose Nächte", sagt Ingrid Westphal-Westenacher, Steuerberaterin und Wirtschaftsprüferin bei Ecovis in Nürnberg.

Doch seit Anfang dieses Jahres gibt es zu diesem unbeliebten Schritt kaum mehr eine Alternative. Zwar müssen die Unternehmer eigentlich schon seit rund 22 Jahren ihre Abschlüsse veröffentlichen. "Bisher haben das aber die wenigsten gemacht", sagt Mario Krause, Steuerberater bei Häne, Huhn und Krause in Wenden. Auch aktuellen Schätzungen zufolge sind nur etwa fünf Prozent der Unternehmen diesen Pflichten in den vergangenen Jahren nachgekommen.

Denn früher mussten die Abschlüsse zwar ebenfalls beim Gericht eingereicht werden - die Amts- und Registergerichte haben die Einreichung jedoch nur auf Anforderung kontrolliert und sanktioniert. Und dies kam so gut wie nie vor.

Seit dem Inkrafttreten des EHUG (Gesetz über elektronisches Handelsregister und Genossenschaftsregister sowie Unternehmensregister) vor rund einem Jahr ist das Prozedere jetzt aber völlig anders. Fortan müssen die Abschlüsse über das Internet direkt beim Betreiber des elektronischen Bundesanzeigers eingereicht werden. Für die Überwachung sind auch nicht mehr die Gerichte, sondern das Bundesamt für Justiz zuständig. Und die Experten sind sich einig: Das Amt kontrolliert sehr genau.

Wer die aktuelle Frist bis zum Jahreswechsel ignoriert hat, wird daher bereits in diesen Tagen Post erhalten. Denn die erste Prüfrunde ist für Mitte Januar vorgesehen. Zunächst wird dann ein Ordnungsgeld von 58 Euro fällig. Weigert sich der Unternehmer daraufhin noch immer, die entsprechenden Unterlagen einzureichen, muss er mit Strafen zwischen 2 500 und 25 000 Euro rechnen.

Betroffen von dieser Regelung ist vor allem der Mittelstand. Denn während große Kapitalgesellschaften schon wegen der Vielzahl an Anteilseignern ohnehin etliche Informationen preisgeben, waren die kleineren Unternehmen bis zuletzt sehr zurückhaltend. "Vor allem viele Mittelständler sind im Umgang mit ihren Geschäftszahlen besonders vorsichtig", sagt Westphal-Westenacher.

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