Reinhard Springer: „In der Agentur war ich der alte Meckerhase“

Reinhard Springer
„In der Agentur war ich der alte Meckerhase“

Der Fall der einstigen Vorzeigeagentur Springer & Jacoby, die zu Spitzenzeiten mehr als 500 Mitarbeiter beschäftigt hatte, war tief. Doch die Insolvenz war früh absehbar, sagt Reinhard Springer. Mit dem Agentur-Gründer sprach Redakteurin Catrin Bialek.
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Handelsblatt: Herr Springer, die von Ihnen und Konstantin Jacoby aufgebaute Werbeagentur Springer & Jacoby ist dieses Jahr insolvent gegangen. Deprimiert Sie das?

Reinhard Springer: Nein. Ich habe meine letzten Unternehmensanteile 2006 verkauft. Verkauft ist verkauft, da mit einem Bein im Thema zu bleiben, wäre inkonsequent.

Der Generationswechsel ist bei S&J gründlich missglückt. Ganz generell: Was ist so schwierig daran?

Eine inhabergeführte Agentur ist eine sehr persönliche Party. So eine Party fortzusetzen, ist für jeden neuen Chef extrem schwer. Vor allem, wenn Sie eine besondere Agentur haben, so wie S&J es war. Haben Sie eine Durchschnittsagentur, müsste die Übergabe besser funktionieren.

Ist eine Kreativagentur also immer ein Unternehmen auf Zeit?

Ja, darum kann ich nur sagen: zum richtigen Zeitpunkt verkaufen. Oder ganz groß werden, so wie Martin Sorrell. Aber das ist aus Deutschland heraus kaum zu machen. Sorrell ist mit dem britischen Werbekonzern WPP die Nummer eins auf der Welt. Aber auf die Nachfolgeregelung bin ich auch bei ihm sehr gespannt, denn er ist eine sehr markante Persönlichkeit.

Sie waren 46 Jahre, als Sie sich 1994 aus dem operativen Geschäft von S&J zurückzogen. Zu jung?

Nein. Jacoby und ich haben damals gemerkt, dass unsere Energie nachlässt. Wir sind Perfektionisten – und so eine Arbeitsweise kostet Sie eine gigantische Kraft. Jacoby und ich sind Typen, die sagen: ganz oder gar nicht.

Darum hatten Sie in großem Umfang Ihre Mitarbeiter beteiligt?

Stimmt. Im Nachhinein hat sich das aber nicht als gute Idee herausgestellt. Mitarbeiter sind eben keine Unternehmer. Erst als sie eine eigene Firma hatten, und viele Ex-S&Jler haben das heute, erst dann haben sie gesagt: Jetzt verstehen wir, was ihr damals gemeint habt. Der Hintern brennt Dir eben erst, wenn Du Unternehmer bist.

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