Reinier Zwitserloot leitet mit der Öl- und Gasgesellschaft Wintershall die ertragreichste Tochter im BASF-Konzern
Der Ölprinz von Kassel

Altmodische Stahlrohrtische, dunkelbraunes Holzfurnier, in der Ecke stapeln sich Schutzkleider und Helme – es sieht nach harter Arbeit aus. In einem engen Besprechungsraum des Verwaltungstraktes am Wintershall-Standort Rheden sitzen 17 Mitarbeiter im Hufeisen, dazwischen – ohne Sakko – der Chef, Reinier Zwitserloot.

RHEDEN. Die Kasseler Wintershall AG ist der größte deutsche Ölförderer und einer der größten Gasimporteure. Zwitserloot gibt sich bodenständig, dass er der Boss ist, daran aber herrscht am Tisch kein Zweifel. Die Mitarbeiter halten kurze Referate, ihr Blick ist immer auf den Chef gerichtet. Zwitserloot lauscht aufmerksam, stellt Zwischenfragen, lobt hier und da. Zum Schluss gibt es Arbeitsaufträge, „Top-Qualität“ und „Respekt“ sind seine Lieblingsworte.

Warum Zwitserloot dabei ist, wenn sich die Leute des HSE-Kommittees (HSE steht für Health, Safety and Environment) treffen? Der Niederländer, seit drei Jahren Vorstandsvorsitzender, hat selbst das Thema Sicherheit – wie viele andere – zur „Chefsache“ gemacht. „Nur wenn ich zeige, dass etwas für mich wichtig ist, wird es auch für die anderen zur Priorität“, sagt er.

Fester Bestandteil der HSE-Treffen ist eine Begehung des Standorts – dieses Mal ist es der Erdgasspeicher in Rheden – der größte Westeuropas. In einem aufgebrauchten Gasfeld auf 2 000 Meter Tiefe lagert die Wintershall im Sommer vier Milliarden Kubikmeter Erdgas ein, das sie in den Wintermonaten wieder ins Netz einspeist. Das Gas kommt aus Russland und der Nordsee, die Pipelines reichen ins gesamte Bundesgebiet – und eine führt nach Ludwigshafen, zur Konzernmutter BASF.

Wintershall, das 1894 gegründete Traditionsunternehmen, gehört seit 1969 zum Weltkonzern. Ein mittelgroßes Gas- und Ölunternehmen als Teil eines Global Players der Chemieindustrie? Auf den ersten Blick ein Widerspruch. Für Zwitserloot nicht. Er sieht sich als Teil einer „Kohlenwasserstoff-Wertschöpfungskette“. Die fange am Bohrloch an und reiche bis zur Feinchemie. So selbstverständlich ist das freilich nicht: Noch vor wenigen Jahren wollte die BASF Wintershall als Randgeschäft zu Geld machen. Mit RWE war man sich fast einig. Doch das Geschäft platzte, inzwischen ist Wintershall wieder fester Teil des Konzerns.

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