Reisebranche
Abgang eines begnadeten Strippenziehers

Der Präsident der Touristiker gibt sein Amt auf. Klaus Laepple wird in Zukunft nicht mehr dem Deutschen Reiseverband vorstehen. Mit Laepple geht ein Strippenzieher, der auch immer gut mit mit den Politikern der Republik zurecht kam.
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DÜSSELDORF. Wenn Klaus Laepple zurückblickt, wird die für die Tourismusbranche glückliche Epoche der deutschen Reiseweltmeister wieder lebendig. Gern erzählt der Düsseldorfer die Anekdote über den von ihm Ende der 80er-Jahre gecharterten Überschalljet Concorde. Dieser flog, um auf volles Tempo zu kommen, für die Strecke Köln-Paris extra einen Umweg über die Nordsee. Die Aktion Laepples lockte Tausende Schaulustige an.

Im marokkanischen Agadir geht für ihn persönlich und für die Tourismusbranche nun diese Ära zu Ende: Laepple gibt kurz vor seinem 71. Geburtstag am Samstag auf der Jahrestagung des Deutschen Reiseverbandes (DRV) sein Amt als Präsident aller Touristiker auf.

Für die Branche ist das ein einschneidendes Ereignis. Mit dem Reisebüroinhaber verlässt ein erfahrener Strippenzieher die Bühne, der sich sicher auf dem glatten politischen Parkett zu bewegen wusste.

Politisch war er von Anfang - schon als Student an der Kölner Uni, als er als Repräsentant die Sitzblockaden auf Straßenbahn-Schienen organisierte. Das verhalf ihm zu höchstrichterlichen Ehren: zum Laepple-Urteil des Bundesgerichtshofs zum Thema Meinungsfreiheit kontra Nötigungs-Tatbestand.

Ganz geht Laepple aber noch nicht. Als Präsident des im BDI angesiedelten Bundesverbands der Touristik-Wirtschaft hat er sich kürzlich wiederwählen lassen. Es gibt viele in der Branche, die zudem überzeugt sind, dass er auch seine Nachfolge im DRV nicht dem Zufall überlassen wird.

So gab es monatelang nur einen Kandidaten für das einflussreiche Ehrenamt: Jürgen Büchy. Der 59-jährige Ex-Lufthanseat, der seit zehn Jahren bei der Bahn ist, zuletzt als Vertriebschef, gilt bei aller Wertschätzung nicht als Laepple-Vertrauter. Auch bei einem Teil der DRV-Mitglieder ist Büchy, der stets verbindlich-kompetente, bei passender Gelegenheit aber auch gerne fröhliche Kölner, weniger beliebt: Er hat den Bahn-Vertragsreisebüros die Provisionen gekürzt.

Und deshalb hat inzwischen auch Jürgen Marbach, der zweite Kandidat, gute Chancen. Der 52-Jährige ist war Chef der Fluglinie LTU und seit seinem Ausstieg und dem Verkauf seiner Anteile an Air Berlin wirtschaftlich unabhängig. Er gilt als Laepples Kandidat. Doch der wäre nicht der Fuchs, der er ist, würde er das nicht von sich weisen.

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