Reiserecht
Streit um Pass und Visum

Tauchen im Roten Meer oder Skifahren in Colorado? An manche Ziele kommen Urlauber nur, wenn sie die richtigen Reisedokumente dabeihaben. Wer am Flughafen zurückgeschickt wird, zieht oft vor Gericht.

Indien: Ein Mann hatte für gut 4 000 Euro eine Luxusreise durch das Land der Maharadschas gebucht. Sie endete bereits am Flughafen: Mangels Visum durfte er nicht an Bord des Fliegers. Der verhinderte Globetrotter tobte: Das hätte ihm das Reisebüro doch sagen müssen. Er verlangte seine Anzahlung zurück, scheiterte aber vor Gericht. Die Richter blätterten im Reisekatalog und fanden unter der Rubrik "Das Wichtigste in Kürze - Indien" den Vermerk "Visum erforderlich". Zudem wiesen sie den erfolglosen Kläger darauf hin, dass er sowieso die Falschen ins Visier genommen habe: Es sei Sache des Reiseveranstalters und nicht des Reisebüros, über Einreisebestimmungen zu informieren. Die Damen und Herren am Buchungsschalter müssten nur dann für Schäden geradestehen, wenn sie falsche Auskünfte erteilt hätten (Landgericht Kleve, 6 S 85/00).

Bali: Ein sparsamer Hesse buchte ein Last-Minute-Ticket nach Bali. Auch er wurde kurz danach am Abfertigungsschalter zurückgewiesen: Bei Indonesienreisen müsse der Reisepass noch mindestens sechs Monate gültig sein, und das sei bei ihm nicht der Fall. Der Mann verklagte das Reisebüro - und hatte Erfolg: Im Fall einer Beratung unmittelbar vor der Abreise sei ausnahmsweise das Reisebüro verpflichtet, über die Einreisemodalitäten aufzuklären, entschieden die Richter. Eine anderslautende Klausel im Kleingedruckten der Agentur erklärten sie für unwirksam (Landgericht Frankfurt, 2/24 S 342/00).

Thailand: Glück im Unglück haben Reisende auch, wenn sich Einreisebestimmungen zwischen Vertragsabschluss und Abreise ändern. So hatte Thailand kurz vor Weihnachten 2002 eine Visumspflicht für Bulgaren eingeführt. Dumm gelaufen für eine bulgarische Reisegruppe, die in Deutschland eine Thailand-Reise für die ersten beiden Januarwochen 2003 gebucht hatte. Da das thailändische Konsulat ab dem 24. Dezember geschlossen war, kamen die Reisewilligen nicht mehr rechtzeitig an ein Visum. Sie verlangten das bereits gezahlte Geld vom Reiseveranstalter zurück. Die Richter waren auf ihrer Seite: Die plötzlich eingeführte Visumspflicht sei "höhere Gewalt", die Daheimgebliebenen durften den Reisevertrag deshalb kündigen (Oberlandesgericht Frankfurt, 16 U 49/04).

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