Renato Soru will in die Politik wechseln
Mann der Widersprüche

Als der Medienunternehmer Silvio Berlusconi vor zehn Jahren seinen Wechsel in die Politik bekannt gab, tat er dies mit Pauken und Trompeten. Ganz anders Renato Soru.

HB MAILAND. Während der 45-jährige Gründer und Chef des Internetdienstleisters Tiscali ankündigt, bei den kommenden Regionalwahlen in seiner Heimat Sardinien als Präsidentschaftskandidat anzutreten, zittert seine leise Stimme. „Ich will kein Politiker werden, ich möchte mich nur für fünf Jahre in den Dienst der Allgemeinheit stellen.“

Eher entschuldigend als werbend erläutert er seine Pläne. Soru, ein schlaksiger Mann mit hoher Stirn, ist für viele Beobachter denn auch ein Mysterium. Einerseits besitzt er als einer der erfolgreichsten Unternehmer in Italien Kultstatus. Immerhin hat er aus Tiscali den drittgrößten Internet-Service-Provider in Europa geformt. So hat Soru, Sohn eines sardischen Lebensmittelhändlers, eine Karriere „vom Tellerwäscher zum Millionär“ hingelegt. Andererseits tritt der studierte Betriebswirt in der Öffentlichkeit schüchtern auf, fast schon linkisch. Anders als der zum Präsidenten des Friaul gewählte Spross der Espressodynastie, Riccardo Illy, scheint er sich nicht gern sprechen zu hören. Im Gegensatz zu Berlusconi wirkt er nicht selbstverliebt.

Was sucht so einer in der an Showelementen und Worthülsen reichen Politik? Böse Zungen behaupten, er wolle wie Berlusconi politische Macht für wirtschaftliche Zwecke nutzen. Soru streitet das ab: „Ich möchte meine Landsleute ermutigen, dass Sardinien eine Mission in Europa hat und dass wir insgesamt auf uns stolz sein können.“ Ehrlich wirkt er bei diesen Worten. Kein Wunder, dass ihm EU-Kommissionspräsident Romano Prodi „heiß abgeraten“ hat, in die Politik zu wechseln.

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