René Ricol: Frankreichs Feuerwehrmann für Kredite

René Ricol
Frankreichs Feuerwehrmann für Kredite

Er hat eine rundliche Gestalt, die Schultern sind angezogen, die Augen braun und flink, und beim Reden hebt er gerne mal den Zeigefinger: Gestatten, René Ricol, der staatliche Kreditschlichter Frankreichs. Das Amt ist ein Kind der Krise und scheint dem 58-jährigen Wirtschaftsprüfer wie auf den Leib geschneidert.

macht den französischen Banken Druck, wenn sie Unternehmen kein Geld geben wollen HOLGER ALICH | PARIS Er hat eine rundliche Gestalt, die Schultern sind angezogen, die Augen braun und flink, und beim Reden hebt er gerne mal den Zeigefinger: Gestatten, René Ricol, der staatliche Kreditschlichter Frankreichs. Das Amt ist ein Kind der Krise und scheint dem 58-jährigen Wirtschaftsprüfer wie auf den Leib geschneidert. Nicht umsonst bescheinigen Freunde ihm einen Hang zum Besserwissertum. Und das braucht er in seinem neuen Job. Denn er soll Frankreichs Banken Feuer machen, damit sie ja der Wirtschaft nicht den Geldhahn zudrehen. Schließlich hat die französische Regierung der Finanzwirtschaft 360 Mrd. Euro zur Verfügung gestellt, um eine Kreditklemme zu verhindern, da dürfen die Banken jetzt nicht den Hahn zudrehen. Und deshalb wacht Ricol nun darüber, dass das Staatsgeld in der Realwirtschaft ankommt. Fühlen sich Unternehmen ungerecht von ihrer Bank behandelt, können sie Ricols Truppen unter zu Hilfe rufen - zum Ortstarif. "Ich werde nicht zögern, jene Banker bei Staatspräsident Nicolas Sarkozy anzuschwärzen, die sich weigern, der französischen Wirtschaft frisches Geld zu geben", tönte Ricol gleich bei Amtsantritt Ende Oktober. 4 439 Vermittlungsanträge hat er seitdem erhalten, nicht ganz die Hälfte bearbeitet und in 1 200 Fällen die betroffenen Bank davon überzeugt, die Vorhaben der Firma doch noch zu finanzieren. Ricol ist ein Idealist, der unablässig an einer besseren Finanzwelt arbeitet, heißt es über ihn. Wegen seiner zahlreichen Ehrenämter kommt er kaum zu seinem eigentlich Job als Wirtschaftsprüfer. Vor allem Kollegen in seiner eigenen Kanzlei stöhnen darüber, dass er drei Viertel seiner Arbeit unentgeltlich macht. - Genauso wie seinen jüngsten Job als Kredit-Ombudsmann. Und er ist ein Mann klarer Worte - und daran ändert auch die Freundschaft zu mächtigen Bankern wie Michel Pébereau, dem Chef der BNP-Paribas, nichts. "Die Banken haben eine Kollektivverantwortung für die Krise", denn sie hätten den Sinn für das Risiko verloren, heißt es beispielsweise in seinem Bericht zu den Ursachen der Finanzkrise. Das ist ganz nach Sarkozys Geschmack. Ricol und er kennen und schätzen sich seit Mitte der 90er-Jahre. Schon damals galt die Kanzlei "Ricol, Lasteyrie & Partner" als Top-Adresse für heikle Fälle. Ricol leitete damals die französische Wirtschaftsprüfer Vereinigung und traf dabei auf den relativ frisch gebackenen Haushaltsminister Nicolas Sarkozy. Beide verstanden sich blendend: Beide hatten es eilig, beide wollten Veränderung. "Ich habe gemerkt, dass Sarkozy bereit war, die ausgetretenen Pfade zu verlassen", erinnert sich Ricol an die erste Begegnung. Und spätestens seit Ricol nach dem Enron-Skandal neue Verhaltensstandards für die Branche erarbeitete, riss der Kontakt nicht mehr ab. Und so wunderte Ricols Ernennung zum Kreditwächter im Staatsauftrag eigentlich niemanden, nervt aber hin und wieder Frankreichs Top-Banker, auch wenn die sich nur hinter vorgehaltener Hand äußern mögen. "Er verlangte von uns zum Beispiel monatliche Aufstellung, wie viele Kredite wir in welchem Landkreis vergeben haben", sagt der Chef einer französischen Großbank zum Handelsblatt. "Dabei ist unsere Bank gar nicht nach Landkreisen organisiert" und da habe es " etwas gedauert, bis Herr Ricol das akzeptiert" habe.

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