Restrukturierung
Russischer Oligarch entwirrt seine Schulden

Oleg Deripaska verschiebt die Ausübung seiner Optionen auf Aktien des Baukonzerns Strabag um ein Jahr auf 2010. Die russische Nummer eins in der Alubranche steht insgesamt mit 16,8 Mrd. Dollar in der Kreide. Am Umbau des Schuldenbergs sind rund 70 Finanzhäuser beteiligt
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MOSKAU. Der russische Oligarch Oleg Deripaska kommt bei der Restrukturierung des Gros seines Schuldenbergs auf die Zielgerade. Nach Informationen aus Moskauer Finanzkreisen sollen am 26. November Vereinbarungen mit den Gläubigerbanken des mehrheitlich zu Deripaskas Firmenimperium zählenden Aluherstellers Rusal unterschrieben werden.

Die Nummer eins in der Alubranche steht insgesamt mit 16,8 Mrd. Dollar in der Kreide und soll noch in diesem Jahr in Hongkong an die Börse gehen - eine der Bedingungen für die Umschuldung. Pläne für einen Börsengang in London hatte Rusal begraben, unter anderem auch da Deripaska in Großbritannien wegen eines Streits mit einem ehemaligen Geschäftspartner eine juristische Auseinandersetzung ins Haus steht.

Am Umbau des Schuldenbergs sind rund 70 Finanzhäuser beteiligt - es ist die erste Umstrukturierung dieser Größenordnung in Russland. Allein 7,4 Mrd. Dollar schuldet Rusal ausländischen Banken. Diese hatten ein Stillhalteabkommen vom Sommer immer wieder verlängert.

Für den Börsengang hat Rusal nun auch den Staat gewinnen können: Die russische Entwicklungsbank VEB, ebenfalls einer der Gläubiger des Konzerns, will den Gang aufs Parkett unterstützen und bis zu drei Prozent der Aktien erwerben. Insgesamt sollen rund zehn Prozent von Rusal gelistet werden. Moskauer Finanzkreisen zufolge geht es um ein Volumen von rund fünf Mrd. Dollar.

Die Beteiligung des Staates sei gut, sagt ein hochrangiger westlicher Bankmanager in Moskau, der seinen Namen nicht preisgeben möchte. In der aktuellen Lage sei dies ein wichtiges Unterstützungssignal. Rusal erzielt rund ein Drittel seines Umsatzes in Asien, erwartet wird, dass sich vor allem große institutionelle asiatische Investoren - chinesische Staatsfirmen als Großkunden von Rusal - daran beteiligen.

In der Vergangenheit war immer wieder auch über eine Zerschlagung oder Verstaatlichung des Firmenimperiums Deripaskas - der Holding Basic Element mit rund 300 000 Beschäftigten - spekuliert worden. Der Konzern war in rasantem Tempo und vor allem auf Pump finanziert gewachsen.

Als die Börsenkurse im Zuge der Finanzkrise im vergangenen Jahr einbrachen, fiel auch die Expansionsstrategie Deripaskas in sich zusammen. Die als Sicherheiten hinterlegten Aktienpakete wurden immer weniger wert, so dass die Banken Kredite fällig stellten beziehungsweise zusätzliche Sicherheiten verlangten. Der Oligarch musste sich unter anderem von seiner Beteiligung am Autozulieferer Magna und an Hochtief trennen. Die Option auf den Rückkauf von 25 Prozent am Baukonzern Strabag will er nun erst im nächsten Jahr ausüben, das gab ein Strabag-Sprecher gestern bekannt. Seine Partner bei Strabag - darunter auch die österreichische Raiffeisen-Gruppe - hatten ihm im Frühjahr mit einem Kredit unter die Arme gegriffen, das Aktienpaket soll diesen absichern.

Nach Angaben von Basic Element, läuft die Suche nach möglichen Investoren für die Aktivitäten des Konzerns weiter auf Hochtouren. Interesse bestehe vor allem in den Bereichen Bau, Flughäfen und Finanzdienstleistungen.

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