Rewe: Das Ende der Schnäuzer-Chefs

Rewe
Das Ende der Schnäuzer-Chefs

Für Rewes Oberaufseher Klaus Burghard kam der Aschermittwochin Köln diesmal neun Tage früher: Am Montag war für ihn schon alles vorbei. Jetzt soll es Heinz-Bert Zander richten. Damit verliert die Rewe-Spitze eines ihrer Markenzeichen: Schnauzbart tragende Chefs.

KÖLN. Für kaum einen deutschen Topmanager im Einzelhandel war die Karriere in der Vergangenheit derart absehbar wie für Heinz-Bert Zander. Dass der 54-Jährige im Oktober 2006 seinen Vorgänger Rainer Paas an der Spitze der Rewe Dortmund ablösen würde, hatte die Großhandlung bereits über ein Jahr zuvor angekündigt. Und auch die Montagabend verkündete Personalie, nach Zander schon bald den Aufsichtsrat des Kölner Rewe-Konzerns leiten soll, überraschte bestenfalls noch wegen des Zeitpunkts.

Spätestens seit dem abrupten Abgang des Kölner Rewe-Vorstandssprechers Achim Egner war nahezu jedem in Deutschlands zweitgrößtem Handelskonzern klar: Der seit sieben Jahren an der Aufsichtsratsspitze amtierende Klaus Burghard würde sich auf längere Sicht kaum noch halten lassen. Am vergangenen Donnerstag berichteten dem Handelsblatt verschreckte Mitarbeiter: „Zwischen Rewe-Chef Alain Caparros und dem Aufsichtsratsvorsitzenden ist es zu einem lauten Krach gekommen. Hier ist der Teufel los.“ Doch noch zu diesem Zeitpunkt wiegelte Burghard ab: „Einen Streit gibt es nicht.“

Dabei stand Burghard, der sich nach einem Bericht der „Wirtschaftswoche“ zuletzt sogar mit dem wegen Betrügerei gefeuerten Ex-Rewe-Chef Ernst Dieter Berninghaus getroffen haben soll, seit langem schon auf wackligem Posten. Vor allem von der mächtigen Rewe Dortmund kam immer wieder Störfeuer gegen ihn. Die Ruhrgebiets-Großhandlung ist der einzige Rewe-Betrieb, der sein Gesellschafterkapital 1990 nicht in den Kölner Konzern einbrachte und deshalb an die Weisungen der Zentrale nicht gebunden ist.

Entsprechend selbstbewusst tritt der seit letztem Oktober von Heinz-Bert Zander geleitete Rewe-Betrieb in Köln auf. Zusammen mit Arbeitnehmervertretern hatten seine Vorstandskollegen Rainer Paas und Willi Kramer schon vor anderthalb Jahren dafür plädiert, Burghard abzulösen. Als möglicher Nachfolger hatte sich Paas damals selbst ins Spiel bringen lassen, woraufhin der Rewe-Konzern die Altersbeschränkungen in der Satzung verschärfte – und Paas damit einen Strich durch die Rechnung machte. Doch für Burghard blieb der Erfolg von kurzer Dauer: Jetzt soll ihn eben Paas’ Nachfolger ersetzen.

Dabei hatte der Rechtsanwalt und Ex-Chef der Handelsgenossenschaft „Für Sie“ vor fast genau drei Jahren einen erstaunlichen Machtkampf in der Kölner Domstraße für sich entscheiden können. Der schnauzbärtige Burghard brachte es fertig, seinen ebenfalls mit markantem Schnauzbart ausgestatteten Widersacher aus dem Konzern zu drängen: „Mister Rewe“ Hans Reischl.

Jahrelang hatte der seit Mitte der 70er-Jahre amtierende Vorstandschef am Aufsichtsrat vorbei regiert. Schriftliche Sitzungsunterlagen für die Kontrolleure hielt Reischl meist für überflüssig, kritische Kommentare einzelner Rewe-Händler im Aufsichtsrat bestrafte der Vorstandsvorsitzende zuweilen damit, dass er mit scharfen Rabattaktionen in benachbarten Penny-Discountmärkten seines Konzerns konterte. „Am Ende muckte keiner mehr“, erinnert sich ein Aufsichtsrat.

Um die Mehrheit im Aufsichtsrat musste Reischl ohnehin nicht fürchten. Mehr als die Hälfte seiner Kontrolleure war abhängig von ihm, was den damals fast 65-Jährigen – trotz der Altersgrenze – Anfang 2004 auf eine zweijährige Vertragsverlängerung hoffen ließ. Auch Ambitionen auf den Wechsel an die Aufsichtsratsspitze wurden dem gebürtigen Bayern nachgesagt. Doch das rief Amtsinhaber Burghard auf den Plan. Ausgestattet mit einem Corporate-Governance-Rechtsgutachten kam es am 17. Februar 2004 in der Kölner Rewe-Zentrale zum Showdown. Am selben Tag noch räumte Reischl den Schreibtisch.

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