Rewe-Manager Jürgen Marbach übernimmt alleinige Geschäftsführung
LTU-Chef Sten Daugaard bittet resigniert um Vertragsauflösung

Der Chef des traditionsreichen deutschen Ferienfliegers LTU, Sten Daugaard, geht vorzeitig von Bord. Der 45-jährige Däne habe aus persönlichen Gründen um Vertragsauflösung gebeten, bestätigte ein LTU-Sprecher gestern Abend in Düsseldorf. Branchenkenner gehen davon aus, dass das gestörte Verhältnis zum Großaktionär Rewe zum Abschied geführt hat.

ebe/ek DÜSSELDORF. Daugaard war von April 2001 bis Anfang 2002 alleiniger Geschäftsführer des Ferien-Pioniers. Mit der Bestellung des Rewe-Touristikmanagers Jürgen Marbach zum Vertriebsgeschäftsführer ließ Rewe-Chef Hans Reischl die LTU seitdem als Doppelspitze führen. Marbach soll nun die alleinige Geschäftsführung übernehmen.

Neben persönlichen Differenzen dürfte auch die schwierige Lage auf dem deutschen Ferienflugmarkt zum vorzeitigen Abschied Daugaards beigetragen haben. „Wir liegen im Plan, es gibt keine neue Lage“, sagte der LTU-Sprecher zwar. Doch die Prognose, in diesem Jahr ein ausgeglichenes Ergebnis bei positivem Cashflow zu erreichen, halten Touristikexperten für sehr ambitioniert. Im Frühjahr belastete zunächst der Irak-Krieg das Urlaubsgeschäft, darüber hinaus sorgten expandierende Billigflieger für enormen Preisdruck in der Flugbranche: „Alle deutschen Chartergesellschaften haben in diesem Sommer bluten müssen, auch die LTU“, sagte ein führender Branchenberater dem Handelsblatt.

Vor dem Hintergrund des Billig- flug-Booms sind zudem die weiteren Perspektiven der seit Jahren defizitären Charter-Airline alles andere als günstig: Expandierende Wettbewerber wie Germanwings, Hapag- Lloyd Express oder Germania Express haben bereits angekündigt, im nächsten Sommer verstärkt Ferienziele anzufliegen – eine Bedrohung vor allem für die Mittelstreckenflotte der LTU.

Seit dem Bankrott des 49,9 %-Aktionärs Swissair im Herbst 2001, der die LTU ums Haar mit in den Konkurs getrieben hätte, ist die Düsseldorfer Fluggesellschaft auf der Suche nach einem neuen Großinvestor – bisher vergebens. In der Luft hielt sich die LTU damals nur dank eines Darlehens über 120 Mill. Euro, für das zu 80 % das Land Nordrhein Westfalen bürgt, sowie dank der Unterstützung des Kölner Handelskonzerns Rewe. Mit einem auf fünf Jahre ausgelegten Sanierungsplan wollte Finanzexperte Daugaard den Ferien-Carrier wieder auf Kurs bringen. Im Jahr 2002 sei dieser Plan um 20 % übererfüllt worden, sagte Daugaard noch im März.

Fortan soll sich Rewe-Manager Marbach um die weitere Sanierung kümmern. In der Branche heißt es, er habe zuletzt ohnehin bereits operative Aufgaben übernommen.

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