Rezension
„Unternehmen gehen ein, wenn sie zu maßvoll sind“

Mit spektakulären Entscheidungen hat A.G. Lafley den US-Konsumgütergiganten Procter & Gamble umgekrempelt und zum Erfolg geführt. In einem Buch kürt sich der Manager zum Vorbild – und drängt Misserfolge an den Rand.
  • 5

New YorkEs sollte die rettende Idee sein. Als General Motors in den 80er Jahren mitansehen musste, wie mehr und mehr junge Amerikaner billigere und sparsamere Toyotas kauften, musste der US-Autoriese reagieren. Er gründete die Kleinwagen-Marke Saturn, um in dem wachsenden Markt mitzumischen. Der Plan ging leider schief: 25 Jahre später wurde Saturn nach Milliardenverlusten beerdigt.

Die Strategen in Detroit hatten einen großen Fehler gemacht: Sie spielten nicht auf Sieg. Das ist Urteil A.G. Lafleys, ehemaliger Chef des US-Konsumgüterkonzerns Procter & Gamble (P&G) und Management-Experte. „Saturn wollte im Segment der Kleinwagen für jüngere Käufer teilhaben. Toyota, Honda und Nissan dagegen wollten gewinnen“, urteilt Lafley in seinem neuen Management-Ratgeber „Playing To Win“.

Auf Lafley zu hören könnte sich lohnen. Denn wer Procter & Gamble geführt hat, herrschte über das größte Werbebudget der Welt, trug die Verantwortung für Hunderte Marken von Pampers bis Gillette und gehörte zum erlesenen Kreis der Manager eines der 30 wichtigsten Börsenkonzerne der USA.

Gewinnen wollen – das ist die Grundlage jeder erfolgreichen Strategie, predigt Lafley auf gut 260 Seiten. „Zu viele Unternehmen werden irgendwann eingehen, weil ihre Bestrebungen zu maßvoll waren“, so der Autor. Marktführerschaft oder nichts. Und auf dem Weg dahin gelte es, klare Entscheidungen zu treffen und Optionen fallen zu lassen.

Das klingt zunächst trivial – welcher Manager will schon verlieren, welcher Entscheider nicht entscheiden? Doch in dem Buch, das Lafley zusammen mit Roger Martin verfasste, dem Dekan der Rotman School of Management an der Universität von Toronto, steckt wesentlich mehr: Es ist die Quintessenz der Strategie, mit der Lafley gemeinsam mit Martin als Berater in den 2000er Jahren den siechen Riesen P&G zu neuer Blüte führten.

Als Lafley im Jahr Vorstandschef wurde, ließ er keinen Stein auf dem anderen und trennte sich selbst von profitablen Geschäftsbereichen. Er schaffte es bis zu seinem Rückzug im Jahr 2010, den Umsatz zu verdoppeln und Profitabilität, Unternehmenswert und Produktpalette deutlich zu steigern. Die P&G-Story gehört zu den faszinierendsten Turnarounds der US-Unternehmensgeschichte, und „Playing To Win“ ist eine Art Anleitung zum Nachmachen. Und eine Erklärung dafür, warum Marken wie Apple, Nike oder Mars so erfolgreich sind.

Seite 1:

„Unternehmen gehen ein, wenn sie zu maßvoll sind“

Seite 2:

Lafleys Misserfolge stehen nur kurz im Anhang

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  • Warum sollte eine Bank einen Konkurrenten finanzieren? Entweder, dieser kann sich nicht durchsetzen, dann ist das eh nicht sinnvoll, oder er kann es, dann ist das bisherige Engagement gefährdet. Daher: schau', von wem Dein Wettbewerb die Kreditlinien hat.

  • Konkurrenz, die man nicht aufkaufen kann, wird vernichtet. Das geht geht relativ einfach, in dem man verhindert, dass der Konkurrent an Kredite der Banken kommt. Hat schon jemand gemerkt, wie monoton unsere Produktvielfalt geworden ist? Viel bunte Verpackung, der Inhalt jedoch alles der gleiche Dreck vom gleichen Hersteller.

  • "trug die Verantwortung für Hunderte Marken von Pampers bis Gillette"

    Also ein Kartell. Ein solches wird nicht geführt, das erledigen die neoliberalen Marionetten und Goldmännern im Weissen Haus. Ein solcher Moloch ist völlig unfähig zur Innovation, ein Klotz wie ein Bunker und verkustet wie eine Borke. Die Konkurrenz wird eingeschüchtert, mit Klagen überzogen und aus den hauseigenen Märkten rausgeworfen.
    Und wenn irgendwo was wegbricht, gibt's Steuergeschenke und Rettungspakete.

    http://www.reddit.com/r/pics/comments/srk0k/the_illusion_of_choice/

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