Rezension zu Dominic Multerer
„Den Unternehmen fehlt der Mut zum Regelbruch“

Marketing ist die Deutschland Nebensache. Es sollte jedoch Chefsache sein. Das fordert der 21-jährige Autor Dominic Multerer. Der rebellische Jungspund hat ein Buch geschrieben, wie ihm der Schnabel gewachsen ist.
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Düsseldorf„Deutschlands Unternehmen fehlt der Mut zum Regelbruch.“ Oder: „Marketing ist in Deutschland Nebensache“ und „Markenarbeit können nicht viele!“: Das schreibt einer, der 21 Jahre alt ist. Einer, der nach der neunten Klasse keine Lust mehr auf Schule hatte und seine Ausbildung zum Steuerfachangestellten nach zwei Jahren „erfolgreich abgebrochen hat“. So formuliert es Dominic Multerer in seinem Buch „Marken müssen bewusst Regeln brechen, um anders zu sein“, das im September erschienen ist.

Der junge Autor ist mutig und direkt und demonstriert auf 220 Seiten, dass er sein Credo des Regelbruchs beherrscht. Alleine schon die Optik: Ein knalliges Orange blendet die Augen und irritiert. Multerers Botschaften sind radikal und frech und er provoziert seine Leser von der ersten Zeile an. „Schon lange regte sich in mir Widerstand gegen den Schwachsinn, der täglich in der Markenwelt passiert. Es tut mir fast körperlich weh, regelmäßig beobachten zu müssen, wie Marken mit Füßen getreten und Marketinggelder versenkt werden, wie langfristiges Denken mehr und mehr zur Seltenheit wird und Theorie die Praxis verdrängt.“

Dass er sich damit auf dünnes Eis begibt, scheint ihm bewusst zu sein, denn bevor es zur Sache geht, präsentiert er einige Zeilen zur Art und Entstehung des Buches und seinen persönlichen Werdegang. Um empörten Kritikern, die sich von seiner Schreibweise auf den Schlips getreten fühlen, Wind aus den Segeln zu nehmen, lässt Multerer im Vorwort den respektablen Fußballfunktionär Reiner Calmund für sich sprechen. „Es schadet nicht, wenn sich auch die alten Säcke mit den Ideen und Thesen der Jugend auseinandersetzen“, schreibt Calmund. „Multerer steht für Klartext, er wirbt mit einer frischen, mutigen Sichtweise für seine Marketingstrategien.“

Der Kern seines Anliegens besteht darin, dem Leser zu vermitteln, dass es beim Thema Marke um weit mehr geht als nur einen Marketingplan. Dass man Kommunikationsregeln nur brechen kann, wenn man sie vorab auch verstanden hat, und dass Guerillamarketing weit mehr ist als eine Einzelaktion. Dabei richtet sich sein Buch ebenso an Konzernchefs wie an Manager oder Abteilungsleiter und kleine und mittelständische Betriebe.

Die Grundvoraussetzung zum erklärten Anders-Sein lautet: Ich muss die Regeln kennen! Deswegen fordert Multerer auch, dass es im Topmanagement eine Marketingquote geben muss, so wie es vielleicht eine Frauenquote geben soll. Denn: „Marketing sollte Chefsache sein.“

Was dieses Buch nicht ist: Man muss Multerer schon eingestehen, dass er hier ein ungewöhnliches Werk vorgelegt hat. Die Optik irritiert, die Wortwahl provoziert und auch sonst setzt es sich von anderen Büchern ab, die sich ebenfalls mit dem Thema Marke beschäftigen.

Multerer hat kein Fachbuch geschrieben, sondern aus dem Bauch heraus und ohne auf Fachliteratur oder Handbücher zu beweisen. Er bezieht sich auf Erfahrungen, auf die Praxis und auf Beispiele, die funktioniert haben oder auch nicht funktioniert haben. Das veranschaulicht der Autor an vielen plastischen Beispielen. Multerer: „Nur daraus kann man lernen.“

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