Rhetorik-Ranking 2016

Peter Terium setzt auf Klartext

Zur Halbzeit führt RWE-Chef Peter Terium das exklusive Redner-Ranking des Handelsblatts an. Doch es warten noch Titelverteidiger und spannende Newcomer unter den Dax-Chefs auf ihren Auftritt auf der Bühne.
Der Vorstandsvorsitzende von RWE auf der Bilanzpressekonferenz in der Zentrale in Essen. Sein Vortrag überzeugte die Experten. Quelle: dpa
Peter Terium

Der Vorstandsvorsitzende von RWE auf der Bilanzpressekonferenz in der Zentrale in Essen. Sein Vortrag überzeugte die Experten.

(Foto: dpa)

DüsseldorfRandale gehört zur RWE-Hauptversammlung wie Butter zum Brot. Dementsprechend hat sich Vorstandschef Peter Terium auch in diesem Jahr von Umweltaktivisten, die in der Essener Gruga-Halle wieder minutenlang ihre Parolen brüllten, kaum aus dem Konzept bringen lassen. „Auch ich habe Kinder im protestfähigen Alter. Die sind aber in der Schule oder auf der Arbeit“, war alles, was ihm dazu jenseits seines Redemanuskripts rausrutschte, während die Ordner die jugendlichen Schreihälse aus dem Saal führten.

Allerdings wurde dadurch die Dramaturgie seiner Rede empfindlich gestört. Denn der gebürtige Niederländer musste diesmal all sein rhetorisches Geschick aufbieten, den enttäuschten Anlegern nicht nur die verheerende wirtschaftliche Lage ihres Unternehmens zu schildern, sondern sie auch von seiner Strategie überzeugen, mit der er den Konzern wieder auf Erfolgskurs bringen will. Das ertragreiche Netzgeschäft, den Vertrieb und die Erneuerbaren Energien abspalten und an die Börse bringen, parallel dazu den Kraftwerk-Bereich sanieren – seine Pläne schilderte er in klaren Worten. Ganz nach dem Motto der Rhetorik-Profis: „Ein Gedanke pro Satz.“

Als der 52-Jährige nach nur 15 Minuten Vortrag sein Rednerpult verlässt, um in der Mitte der Bühne frei weiterzusprechen, wächst die Spannung auf den nächsten, offenbar wichtigen Punkt. Zu Recht. Denn Terium wirbt bei seinen Aktionären mit persönlichen Worten um Verständnis für den Dividendenverzicht: „Ich weiß, dass Sie eine schwere Zeit durchleiden. Und ich weiß, der Vorschlag, den ich heute an Sie richte, entspricht nicht Ihren Erwartungen. Aber wir müssen auf die Dividende verzichten, um zukunftsfähig zu werden.“

Terium liefert eine Ansprache ohne Fachjargon, Wortungetüme oder Passiv-Konstruktionen, mit denen sich die Verantwortlichen verschleiern lassen. Das alles sorgt für ein hohes Maß an Verständlichkeit und Transparenz bei den Zuhörern und das Gefühl, wie vom Redner anfangs versprochen, „reinen Wein eingeschenkt zu bekommen“. Dieser Auftritt bescherte Peter Terium im aktuellen Rhetorik-Wettstreit des Handelsblatts und der Uni Hohenheim die bislang in der aktuellen Hauptversammlungs-Saison höchste Punktzahl. Damit belegt der RWE-Chef zur Halbzeit den ersten Platz unter den insgesamt 30 Dax-Vorstandsvorsitzenden, die bis zum 30. Juni ihren Auftritt vor ihren jeweiligen Aktionären absolvieren müssen.

Das sind die Top-Verdiener unter den Dax-Chefs
Platz 30: Martin Blessing
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Die Lenker der großen Dax-Konzerne haben auch in Jahr 2015 Millionensaläre eingefahren. Der Chef der Commerzbank erhielt jedoch die niedrigste Vergütung aller Dax-30-Chefs – seine Bezüge sind auf 2,4 Millionen Euro gesunken. Im Vergleich zu 2014 (3,3 Millionen Euro) verdiente Blessing 28 Prozent weniger. Das Gefälle zwischen Platz 30 und Platz eins ist riesig – 8,4 Millionen Euro.

Quelle: Dr. Heinz Evers Vergütungsberatung

Platz 29: Reinhard Ploss
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Der Chef des Halbleiterherstellers Infineon musste sich 2015 mit rund 2,9 Millionen Euro zufrieden geben. Immerhin: Im Vergleich zum abgelaufenen Jahr ist das ein Zuschlag von 24 Prozent. Bei den Gehältern wurden jeweils Grundvergütung, Boni sowie langfristige variable Vergütungsbestandteile zusammengerechnet.

Platz 28: Rolf Buch
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Im vergangenen Jahr verschmolzen Deutschlands größter Wohnungskonzern Deutsche Annington und der Konkurrent Gagfah zu der Immobiliengesellschaft Vonovia. Rolf Buch, Vorstandsvorsitzender des fusionierten Unternehmens, verdiente 2015 3,3 Millionen Euro. Damit liegt er relativ weit hinten im Gehaltsvergleich.

Platz 15: Elmar Degenhart
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Mit einer Gesamtvergütung von 5,7 Millionen Euro belegt Elmar Degenhart Platz 15. Der Vorstandsvorsitzende der Continental AG verdiente im vergangenen Jahr lediglich zwei Prozent mehr als 2014 (5,6 Millionen Euro).

Platz 14: Ulf Schneider
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Der Chef des Pharmakonzerns Fresenius erhielt für seine Arbeit im Jahr 2015 rund sechs Millionen Euro. Das macht eine Steigerung von 37 Prozent (2014: 4,4 Millionen Euro).

Platz 13: Timotheus Höttges
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Höttges mit Bundeskanzlerin Angela Merkel auf der Cebit 2016: Das Gehalt des Vorstandsvorsitzenden der Deutschen Telekom betrug im Vorjahr 6,1 Millionen Euro (2014: fünf Millionen Euro). Das macht eine Steigerung um 22 Prozent.

Platz 12: Frank Appel
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Die Deutsche Post verbuchte für das Jahr 2015 einen Gewinnrückgang. Davon spürte Vorstandschef Frank Appel allerdings nur wenig. Mit einer Jahresvergütung von 6,1 Millionen Euro ging er nach Hause. Im Vergleich zu 2014 ist das ein Minus von sechs Prozent.

Schon jetzt, nach den ersten 15 Reden, ist zu beobachten, dass sich der erfreuliche Trend der Vorjahre fortsetzt: „Deutschlands Spitzen-Manager bemühen sich zunehmend, verständliche Reden auf ihren Hauptversammlungen zu halten“, konstatiert Kommunikationswissenschaftler und Studienleiter Frank Brettschneider von der Uni Hohenheim. „Zur diesjährigen Halbzeit liegen die CEO-Reden bei einem Durchschnittswert von 14,2 Punkten – das sind 1,2 Punkte mehr als zum Abschluss des CEO-Rankings im Jahr 2015 und starke 4,4 Punkte mehr als zum Abschluss unserer ersten Untersuchung im Jahr 2012.“

Wie schlagen sich die Neuzugänge?
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