Rhetorik-Ranking 2017
Heinrich Hiesinger eröffnet Redner-Wettstreit

Welcher Dax-Chef hält die verständlichste Rede? Thyssen-Krupp-Chef Heinrich Hiesinger hat die Hauptversammlungssaison 2017 eröffnet. Zu den Favoriten im Rhetorik-Wettstreit zählen allerdings andere.
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DüsseldorfDen Auftakt als erster Redner der diesjährigen Hauptversammlungssaison machte heute Heinrich Hiesinger in der Ruhr-Kongresshalle in Bochum. Der Thyssen-Krupp-Chef, der sich in den Vorjahren im Rhetorik-Ranking stets leicht verbessert hat, schaffte es diesmal nicht, eine deutlich verständlichere und prägnantere Rede zu halten. Mit dem sechsten Auftritt vor den Aktionären scheint er seinen Platz im letzten Drittel des Gesamtklassements zu festigen.

Weiter an seinem Manuskript zu feilen, hätte sich für den promovierten Ingenieur durchaus gelohnt: kürzere und klarere Sätze, eine insgesamt aktivere Sprache, weniger Fachbegriffe – und seine Aufgabe, die Eigner um Verständnis und Geduld zu bitten, dass sich die Gesundung des Traditionsunternehmens und die geplante Fusion im Stahlbereich verzögert, wäre einfacher zu bewältigen gewesen.

Schon 2016 stammte das Wortungetüm des Jahres „Transrapid-Linearmotor-Technologie“ mit insgesamt 34 Buchstaben aus Hiesingers Rede. „Und auch in diesem Jahr ist er in puncto sperrige Begriffe wieder ein Anwärter auf den Negativrekord“, sagt Kommunikationswissenschaftler Frank Brettschneider von der Universität Hohenheim. Der Experte mahnt außerdem: „Die goldene Rhetorik-Regel, 'ein Gedanke pro Satz' könnte Heinrich Hiesinger häufiger befolgen.“

Der Kampf um die Redner-Krone, die das Handelsblatt gemeinsam mit der Universität Hohenheim jedes Jahr für die verständlichste Rede eines Dax-Chefs auf der Hauptversammlung vergibt, ist damit eröffnet. Mit Spannung wird erwartet, welcher Chef von Deutschlands 30 größten börsennotierten Unternehmen beim inzwischen sechsten Wettbewerb die beste Rede vor seinen Aktionären hält.

Und das wird spannend. Denn zum einen liegen die vier Spitzenredner des Vorjahres, angeführt von Telekom-Chef Timotheus Höttges, ganz eng beieinander. Lediglich eine geringfügige Differenz trennt Höttges von seinen Verfolgern, die sich aufgrund von Punktgleichstand zu dritt Platz zwei teilen: Die beiden erfahrenen Hauptversammlungsprofis Fresenius-SE-Chef Ulf Schneider und Post-Chef Frank Appel dürften mit BMW-Chef Harald Krüger als Rivalen zwar nicht gerechnet haben, sich dem Neuling aber auch nicht kampflos geschlagen geben. Der katapultierte sich nämlich bei seiner Premiere im Redner-Ring quasi aus dem Stand mit zu Schneider und Appel aufs Treppchen.

Kurz und knackig gelangen ihm Worte und Sätze, klipp und klar erläuterte er dem Publikum Unternehmensziele und seine Strategie. Der ehrgeizige Autochef aus Bayern eifert offenbar auch in dieser Disziplin seinem Vorgänger Norbert Reithofer nach, der 2015 und 2014 das Handelsblatt-Redner-Ranking anführte. Zum anderen betreten insgesamt fünf Newcomer unter den DAX-Chefs zum allerersten Mal die große Rednerbühne. Dazu kommt noch Kaspar Rorstedt, der bis zum vergangenen Jahr noch für Henkel auftrat, inzwischen aber als Adidas-Chef einen neuen Anlauf nimmt.

Ob Antritts- oder Abschiedsrede, Durchhalte-Aufruf oder Kampfansage – bis Anfang Juni 2017 wird das exklusive CEO-Rhetorik-Ranking dann erneut eine wissenschaftlich fundierte Einschätzung geben, welcher DAX-30-Chef sein Publikum mit den meisten Worthülsen langweilt oder mit Satzungetümen überfordert. Und wer dagegen am anschaulichsten vorträgt. Dazu ermittelt wieder ein spezielles Computerprogramm von Kommunikationswissenschaftler Brettschneider, wie verständlich die Reden der Vorstandschefs der DAX-30-Unternehmen ausfallen.

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