Rhetorik-Ranking
Manager brauchen dringend Nachhilfe

Die Hälfte der DAX-30-Chefs sind auf der Hauptversammlung ihrer Aktionäre aufgetreten. Doch welcher Top-Manager hat die beste Rede geliefert? Handelsblatt Online und die Uni Hohenheim unterziehen sie dem Rhetorik-Check.
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Die Rede auf der Hauptversammlung gerät sogar für den höchstbezahlten deutschen Manager noch zur Nervenprobe: Mit Leichenbittermine verkündete VW-Chef Martin Winterkorn den Aktionären Rekordverkäufe, bei der Präsentation der neuen „emotionalen Design-Sprache bei Seat“ und angesichts aufregender neuer Modelle wie dem Bentley Continental Convertible oder dem Supersportwagen Lamborghini Aventador LP 700-4 ließ er selbst auf der Bühne jede Gefühlsregung vermissen.

Als dann noch Umweltschützer ein Transparent enthüllten und Parolen brüllten, verhaspelte sich der promovierte Metallphysiker, der sonst souverän die Geschäfte des Wolfsburger Automobilbauers lenkt. Wie ein Grundschüler leitete er sich selbst an: „Punkt, Satzende“ und las sodann den Absatz noch einmal mit passender Betonung vor. Eine rhetorische Glanzleistung sieht anders aus.

Das fand offenbar auch VW-Aufsichtsratschef Ferdinand Piech. Kurzerhand verordnete der Großaktionär Manager Winterkorn nach knapp 50 Minuten eine Redepause, ließ stattdessen einen Film über die Nutzung alternativer Energien in den VW-Werken einspielen und nebenbei die Protestler aus der Halle eskortieren. Erst danach durfte der inzwischen wieder gefasste Vorstandsvorsitzende noch mal für knapp 15 Minuten referieren.

Top-Manager heißt nicht automatisch Spitzen-Rhetoriker. Die Handelsblatt-Redaktion will genau wissen, welcher Chef der größten deutschen Unternehmen, von Ackermann bis Zetsche, reicht an Bühnenlegenden wie Apples verstorbenen Gründer Steve Jobs heran, der nur mit einem iPad in der Hand sein Publikum zu faszinieren verstand? Oder wer ist so unterhaltsam wie der amerikanische Investment-Guru Warren Buffet, der die Aktionäre seiner Investmentgesellschaft Berkshire Hathaway mit Filmszenen aus dem Kinohit Wall Street mit Hollywood-Star Michael Douglas in der Rolle des habgierigen Investors Gordon Gekko begrüßt?#

Zusammen mit dem Sprachwissenschaftler Frank Brettschneider von der Uni Hohenheim analysieren wir deshalb in der aktuellen Hauptversammlungssaison, wie verständlich die Reden der DAX30-Chefs ausfallen. Ein wissenschaftlich fundiertes Computerprogramm analysiert dazu Satzbau, Fremdwortanteil, Abstraktheitsgrad, Wort- und Satzlängen und bewertet so jede Rede auf einer Verständlichkeitsskala. Diese reicht von Null - der Vortrag ist etwa so unverständlich für den Durchschnittsbürger wie eine Doktorarbeit -, bis 10, was dem besonders hohem Verständlichkeitsgrad von Radionachrichten entspricht. Diese „A-Note“ bewertet also ähnlich wie im Tanzsport die „Pflichtdarbietung“ der Redner.

Außerdem hat Brettschneider eine Checkliste entwickelt, mit der sich die stilistische Leistung der Manager bewerten lässt. In Sachen „Kür“ können die Redner in zwei Teilbereichen „Relevanz und Aufbau“ sowie „Präsentationsform“ insgesamt 100 Punkte für ihre „B-Note“ holen.

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