Richard Branson
Der Tausendsassa kommt ins Schleudern

Richard Branson gilt als Spaßunternehmer, dem alles gelingt. Doch einige Fehlschläge in jüngster Zeit kratzen am Image des Briten. Verlässt ihn das Glück?
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LONDON. Der Business-Messias kommt: In einem goldig glänzenden indischen Gewand schwebt der scheinbar alterslose Mann mit der hellen Mähne und dem Vollbart die Fassade eines 35-stöckigen Hotels in Mumbai herunter. Unterwegs enthüllt er das knallrote „Virgin Mobile“-Logo und spreizt die Arme mit hoch gestrecktem Daumen. Ein Auftritt, wie ihn Richard Branson liebt. Der Mann ist die Marke, auch wenn er die tägliche Führung seiner Firmengruppe inzwischen an ein Team aus versierten Managern abgegeben hat.

Doch dem glänzenden Auftritt am vorletzten Sonntag folgt eine ernüchternde Reaktion. Die Konkurrenten, unter ihnen der mächtige Weltmarktführer Vodafone, laufen Sturm gegen den neuen Konkurrenten. Virgin Mobile tritt nach bewährtem Muster als virtueller Netzbetreiber auf: Es kauft von einem Mobilfunknetzbetreiber Kapazitäten und vertreibt sie unter eigener Marke weiter. Doch das ließen die Gesetze nicht zu, sagen die Konkurrenten. Gut möglich, dass der indische Auftritt ein kurzer bleibt. Eine Woche vorher feierte Branson bei seiner Fluggesellschaft Virgin Atlantic den ersten Flug eines Passagierflugzeuges mit Biotreibstoff. Umweltschützer monierten jedoch anschließend, der Jet habe gerade einmal fünf Prozent Biosprit wie Kokosnussöl beigemischt.

Während das als PR-Panne abgehakt werden kann, scheint den Tausendsassa der britischen Wirtschaft zuletzt auch bei den großen Deals das Glück verlassen zu haben. Spektakulär scheiterte er im Februar nach fünfmonatiger intensiver Arbeit mit dem Versuch, die Pleitebank Northern Rock zu kaufen. Branson als Retter aus der Bankenkrise – die Rolle hätte ihm geschmeckt. Gleichzeitig hätte ihm Northern Rock erlaubt, seiner Finanzsparte Virgin Money endlich zum Durchbruch zu verhelfen. Doch daraus wurde nichts. Zwar hatte Branson persönlich bei Premierminister Gordon Brown um Vertrauen geworben. Aber er konnte den Verdacht nicht zerstreuen, dass es ihm um eine gute Gelegenheit ging, mit Staatsgarantien im Rücken ein paar schnelle Pfund zu machen. Lieber hängte Brown seiner Regierung per Verstaatlichung den Klotz Northern Rock ans Bein, als Branson die nächste Milliarde auf dem Silbertablett zu servieren.

Geht Branson gute 40 Jahre nach dem Start seiner Traumkarriere die Luft aus? Mit einem Plattenversand fing der Schulabbrecher 1966 an. 1984 forderte er mit Virgin Atlantic den Platzhirsch British Airways heraus. 200 Firmen mit einem Gesamtumsatz von 15 Mrd. Euro umfasst sein Reich heute.

Eine davon ist Virgin Media, doch auch sie macht ihm wenig Freude. Als Branson seine britische Mobilfunktochter 2006 in den angeschlagenen Kabelfernsehkkonzern NTL einbrachte und dafür Großaktionär wurde, feierten viele den Start des Vierfachangebots aus Fernsehen, Internet, Telefon und Mobilfunk als Pioniertat. Allein, der Kunde zögert. Das Virgin-Etikett hat das schlechte Image des Kabelfernsehens nicht überdecken können. Gerade musste Virgin Media einen leichten Rückgang des Nettoverlustes auf 600 Mill. Euro als Erfolg verkaufen. Schon machen einmal mehr Gerüchte um einen Verkauf an Finanzinvestoren die Runde, doch die bräuchten angesichts der Schuldenlast schon sehr viel Mut.

Auch wenn es geschäftlich derzeit nicht ideal läuft - die Briten lieben Branson noch immer. In einer von Meinungsforschern erhobenen Rangliste ihrer größten Vorbilder platzierten sie Branson gerade auf Platz zwei – hinter Mitgliedern der eigenen Familie und vor Jesus.

Dirk Hinrich Heilmann
Dirk Heilmann
Handelsblatt / Chefökonom

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