Richard Cordray
Der Schreck der Wall-Street-Banker

US-Präsident Barack Obama machte einen Ex-Staatsanwalt zum ersten Chef der US-Superfinanzaufsicht. Die Wall Street fürchtet neue Härten - und das nicht zu Unrecht, denn Richard Cordray startete gleich mit Drohungen.
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New YorkKeine 24 Stunden war Richard Cordray vergangene Woche im Amt, da war auch dem Letzten an der Wall Street klar: Es wird ungemütlicher für die Herren in den Vorstandsetagen von Banken, Fonds und Versicherungen. Denn der erste Chef der neuen US-Superfinanzaufsicht CFPB verschwendet seine ersten Tage nicht mit unverbindlichen Antrittsbesuchen – er startet gleich mit Drohungen.

„Das Büro wird klarmachen, dass es echte Konsequenzen hat, wenn man das Recht bricht. Wir haben Informanten und Zuträgern direkten Zugang zu uns gegeben“, sagte Cordray während seiner ersten Rede im neuen Amt bei der renommierten Brookings Institution. Zuvor hatte der frisch ernannte Direktor des Konsumentenschutzbüros für das Finanzwesen (CFPB) als erste Amtshandlung die Beaufsichtigung der bislang nahezu unreguliert arbeitenden Kreditshops und Hypothekenvertriebe in den USA angeordnet.

Damit ist klar: Präsident Barack Obama hat den 52-jährigen Karrierepolitiker und Juristen Cordray zum obersten Verbraucherschützer in Finanzfragen gemacht. Und Cordray gedenkt, seinen Kompetenzrahmen großzügig zu interpretieren. Mit seiner Berufung könnte der Ruf der Öffentlichkeit nach einer strengeren Bankenregulierung erfüllt werden. Und Cordray selbst sieht sich offenbar als Banken-Schreck. „Das Büro kann unter der Behauptung, Verbraucherschutzinteressen wahrzunehmen, in praktisch jeden Winkel eines Finanzinstituts blicken und Veränderungen fordern. Man kann dagegen klagen, aber wer klagt schon gerne gegen seinen Aufseher?“ sagt der Topmanager einer US-Großbank.

Zumal Cordray in der Vergangenheit klargemacht hat, dass er keinen übersteigerten Wert auf Freunde in der Finanzindustrie legt. So organisierte er einst als Generalstaatsanwalt des Bundesstaates Ohio eine Klage von fünf großen Pensionsfonds gegen die Bank of America. Sie verlangen Schadensersatz vom zweitgrößten Institut der USA. Dem wurde vorgeworfenen, beim Kauf des Brokers Merrill Lynch 2008 den Aktionären vor deren Abstimmung über die Transaktion bewusst Merrills Milliardenverluste verschwiegen zu haben. Die Fonds sind Großaktionäre der Bank.

Als Cordray im Januar 2011 in Ohio nicht wieder zum Generalstaatsanwalt gewählt wurde, schöpfte die US-Finanzszene zunächst Hoffnung, den Plagegeist losgeworden zu sein. Aber kurze Zeit darauf wurde er zum Abteilungsleiter im CFPB ernannt. Im Sommer nominierte Obama ihn dann sogar für die Leitung der Behörde.

Kommentare zu " Richard Cordray: Der Schreck der Wall-Street-Banker"

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  • Who should run for President 2012: A hard man like Richard Cordray!

    I hope that he not only talks.

  • Ich konnte Cordray als Attorney General hier in Ohio miterleben. Er war sehr engagiert in seinem Amt, und passte nicht ganz in das Bild, das man in Deutschland vielleicht von den Demokraten hat. (So hat er den privaten Waffenbesitzern geholfen.)

    Den Kampf gegen die Kreditshops fuehrte er bereits in Ohio, jedoch war es mehr oder weniger ein Kampf gegen Windmuehlen. Zwar wurde ein Gesetz erlassen, dass die Zinsen dieser Kreditshops begrenzte, jedoch erheben sie inzwischen einfach zusaetzliche Gebuehren bei der Kreditvergabe. Die Branche floriert weiterhin.

    Wie effektiv solch ein Amt ist, und warum man nicht schlicht die Kompetenzen der FTC erweitert hat, frage ich mich daher immer noch.

  • Wenn es überhaupt jemand schafft, die USA in ein sicherer Gewässer zurück zu manövrieren, dann ist es Obama. Es gibt nur wenige Politiker weltweit, die nicht auf der Lohnliste der Wall-Street-Gangster/City of London stehen.
    Obama steht vor der schwersten Aufgabe seit Bestehen der USA: Der Quadratur des Kreises. Aber sogar von seinen eigenen Parteikollegen werden ihm ununterbrochen Knüppel zwischen die Beine geworfen, die als Lobbyisten der Wall-Street agieren.

    Die Amis scheinen den Ernst der Lage immer noch nicht begriffen zu haben. Richard Codray sollte nur der Anfang sein, wobei sich unsere europäische Marionetten daran eine Scheibe abschneiden sollten. Wir haben genau die selben Probleme, die vielleicht eines Tages vom Pöbel auf unsanfte Art und Weise gelöst werden, diesseits und jenseits des Atlantiks. In Frankreich hatte man 1789 die selben Probleme zur vollsten Zufriedenheit des Volkes gelöst.

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