Richard Fuld
Für immer verbunden mit der Pleitebank

Er ist das Gesicht der Finanzkrise, steht für viele für Gier und großes Scheitern. Richard Fuld, Ex-Lehman-Chef, versucht trotzdem weiter das große Geld zu machen.
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New YorkDass der Mann keinen Spaß versteht, steht ihm buchstäblich ins Gesicht geschrieben: Die Augen in schattenumrandeten Höhlen, die Nase falkenartig und die Mundwinkel oft nach unten gezogen. In der Wall Street nannte man Richard Fuld aufgrund seiner Verhandlungstaktik und seines Jähzorns den „Gorilla“.

14 Jahre lang führte er Lehman Brothers mit eiserner Hand. Die Gangart brachte ihm großartigen Erfolg - und den Absturz. Seine ungebremste Egomanie trieb Lehman Brothers in den Konkurs und trat die Finanzkrise los. Mit der Investmentbank ging auch Fuld unter. Freiwillig gab der aber nicht auf: Mehrfach versuchte der Amerikaner ein Comeback - und scheiterte jeweils kläglich. Erst gründete er 2009 das Beratungsunternehmen Matrix Advisors. Doch wollten sich nicht viele von dem Gescheiterten etwas sagen lassen.

2010 wechselte er zu Legend Securities, einem unbekannten Broker in New York, um deren Investmentgeschäft anzukurbeln. Aber die Aufsichtsbehörden in New York gaben ihm laut dem Börsensender Fox Business keine Brokerlizenz. Auch brachte er kein Geschäft bei. Vor wenigen Monaten musste Fuld seinen Hut nehmen. Es ist erstaunlich, dass es Fuld überhaupt noch einmal versuchte. Nicht nur wegen seines Alters, 66-jährige Manager gehören gleichfalls an der Wall Street zum alten Eisen.

Auch wegen seiner Vergangenheit. Der Nachrichtensender CNN setzte ihn auf Platz neun der Liste „Die zehn Meistgesuchten: Schuldige des Kollaps“. Die Comeback-Versuche scheiterten auch an der Person Fuld. Aufgewachsen in New York, kämpfte sich Fuld buchstäblich durchs Leben. So endete seine Karriere als Pilot bei der US-Marine mit einer Schlägerei mit einem Offizier, angeblich, weil der einen jungen Kadetten verspottet hatte. 2007 - also kurz vor Ausbruch der Finanzkrise - prügelte sich Fuld dann mit einem Vater beim Hockeyspiel seines Sohnes.

Auf dem Höhepunkt seiner Karriere war Fuld Milliardär gewesen, heute besitzt er nur noch Millionen. Aber das verlorene Geld ist für den Ex-Manager nur nebensächlich. Am schlimmsten ist der Verlust von Respekt. „Ich fühle mich schrecklich“, sagte Fuld denn auch vor einigen Jahren vor einem Ausschuss des US-Repräsentantenhauses.

Der Autor ist Managing-Editor des Handelsblatts in den USA. Quelle: Frank Beer für Handelsblatt
Thomas Jahn
Handelsblatt / Korrespondent New York

Kommentare zu " Richard Fuld: Für immer verbunden mit der Pleitebank"

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  • Ohh ist er "nur" Millionär. Der Arme...

    Ohhhhhh


  • Er sollte bei der EU anheuern. Draghi, Monti, Barrosso könnte er gut ergänzen.

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