Richemont
Die Sorgen des Luxus-Königs

Edeluhren und teurer Schmuck katapultieren den Gewinn von Richemont um 43 Prozent nach vorne. Die Schweizer erhöhen prompt die Dividende. Der Erfolg ist einem sehr besonderen Unternehmer zu verdanken: Johann Rupert.
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ZürichJohann Rupert hat eigentlich gut lachen: Die von seiner Familie kontrollierte Luxusholding Richemont (Cartier, Montblanc, IWC) konnte 2011 weder der starke Franken, noch der steigende Goldpreis aufhalten. Der Gewinn legte um 43 Prozent auf 1,5 Milliarden Euro zu, die Börse jubelt. Doch Rupert selbst wird der Erfolg langsam unheimlich.

„Leute, diese Margen werden nicht dauerhaft sein“, warnte Rupert er bei der Analysten-Präsentation am Mittwoch. 2011 legte die Marge bezogen auf den Gewinn vor Zinsen und Steuern (Ebit) um über drei Prozentpunkte auf den Rekordwert 23 Prozent zu. Eine bezifferte Margen-Prognose verkniff sich Rupert aber.

Die Chefs der Luxus-Konzerne zählen auch in der Schweiz zu den schweigsamen Vertretern. Aber wenn Richemont-Chef Johann Rupert einmal öffentlich auftritt, wird es interessant. Bei der Ergebnis-Präsentation war der bullige Südafrikaner in Hochform. Der von ihm geführte Schmuck- und Uhrenkonzern, hat zwar wie die Wettbewerber ein super Jahr hinter sich – vor allem in Asien brummt das Geschäft.

Die zunehmende Abhängigkeit vom chinesischen Markt bereitet dem Richemont-Chef aber Sorgen: Mittlerweile macht der Luxus-Riese 42 Prozent seines Absatzes in Asien. Der Anteil ist in Wahrheit höher, denn in Zürich und Paris kaufen vor allem chinesische Touristen die Luxus-Boutiquen leer.

 „Ich habe das Gefühl, dass wir alle mit schwarzer Krawatte bei einem festlichen Diner auf einen Vulkan sitzen. Und dieser Vulkan heißt China“, mahnte Rupert. PR-Experten würden solche Äußerungen ihrem Chef nie ins Redemanuskript schreiben. Aber im Unterschied zu anderen CEOs liest der Richemont-Chef keine trockene Rede vom Blatt ab, sondern übt sich im Free-Style.

Auch in Sachen China will sich aber Rupert nicht festnageln lassen. Ob das stimme was er sage, wisse er selber nicht, „schließlich habe ich keine Ahnung“, kokettierte  er in falscher Bescheidenheit. Wenn aber die gute Konjunktur aber in China einmal drehen würde, dann würde es für alle Großkonzerne ungemütlich.  Mit seinen Mahnungen setzt sich Rupert von Swatch-Chef Nick Hayek ab; dieser hatte sich Anfang März noch optimistisch zum chinesischen Markt geäußert. Sorgen vor einem breiten Abflauen der Nachfrage seien unbegründet, hatte er erklärt.

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