Richter und Verwalter arbeiten eng zusammen - und das nicht aus Nächstenliebe
Das schmutzige Geschäft mit Pleiten

Jesco Fabricius schluckt kurz, aber heftig, als er der Urteilsverkündung lauscht. Insolvenzrichter ist er gewesen, ein mächtiger Mann, zuständig für die gerechte Verteilung der Konkursfälle im Raum Mannheim. Doch agiert hat er wie ein Halbgott in Schwarz.

DÜSSELDORF. Landete eine größere Pleite auf seinem Schreibtisch, ging sie fast immer an denselben Insolvenzverwalter. Denn dessen Schwiegersohn zahlte dafür - mal einen Zuschuss für ein Mercedes-Coupé, mal für ein BMW-Cabrio, mal für einen Alfa Romeo. Auch den Kühlschrank der Richtergattin füllte er kostenlos auf. Flüssiges vom Feinsten: französische Weine, geschmeidiger Calvados und prickelnder Champagner.

Erst vor dem Landgericht Mannheim platzt der Traum vom Dolce Vita - zwei Jahre Haft auf Bewährung und der Verlust der Richterpension. "Es tut mit leid", sagt Fabricius in seinem Schlusswort, "dem Ansehen der Justiz geschadet zu haben."

Vetternwirtschaft und Korruption - nicht nur bei VW, Infineon und BMW halten Angestellte schon mal die Hand auf. Auch deutsche Richterstuben werden geschmiert, wenn es um die Verteilung der lukrativsten Insolvenzmandate geht. Eng arbeiten Richter und Verwalter mitunter zusammen, und das nicht aus Nächstenliebe, sondern gegen Gefälligkeiten oder Bares.

Willkommen in Deutschland, im Reich der Pleite-Profis. Willkommen in einer Welt, wo der Wettbewerb hart, die Zwietracht groß und die Methoden nicht immer legal sind.

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