Richterin geht mit Manager-Prämien ins Gericht
Der Freispruch: Wie die Begründung eines Schuldspruchs

Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann will von einem Freispruch zweiter Klasse nichts wissen. Zuvor hatte Richterin Brigitte Koppenhöfer ihre Freisprüche begründet. Und das klang über weite Strecken eher wie die Begründung eines Schuldspruchs.

HB DÜSSELDORF. Nachdem Ackermann Gerichtssaal L 111 des Düsseldorfer Lanndgerichts als einer der letzten Verlassen hatte, sagte der mächtigste Bankmanager Deutschlands am Donnerstag: "Ein Freispruch ist ein Freispruch." Soeben war der spektakulärste Wirtschafts-Strafprozess der letzten Jahre mit Freisprüchen für ihn und die übrigen Angeklagten zu Ende gegangen.

Als müsse er das eben gehörte erst verarbeiten, war Ackermann noch eine Weile auf seinem Platz sitzen geblieben. Was die Vorsitzende Richterin Brigitte Koppenhöfer dem Manager nach einem halben Jahr Prozessdauer mit auf den Weg gab, klang über weite Strecken eher wie die Begründung eines Schuldspruchs.

Verstöße gegen das Aktienrecht, eine gravierende Pflichtverletzung und Millionenzahlungen, die absolut nicht im Interesse von Mannesmann gewesen seien: Die Wirtschafts-Strafkammer nutzte die Urteilsbegründung, um eindringlich vor allzu großzügigen Griffen der Manager und Aufsichtsräte in die Konzernkassen zu warnen. Nur weil Wirtschaftsprüfer und Aktienrechtler die Drei-Millionen-Euro-Prämie an Ex-Aufsichtsrats-Chef Joachim Funk für unbedenklich hielten, seien Ackermann und Ex-IG-Metall-Chef Klaus Zwickel einer Verurteilung entronnen, macht die Richterin eindringlich klar.

"Sie wussten und wollten, was sie taten", sagt Koppenhöfer. "Der Ermessensspielraum ist nicht grenzenlos." Die Richterin nimmt sogar eine frühere Äußerung von Ackermann gezielt aufs Korn, als sie sagt: "Unternehmen und deren Entscheidungsträger operieren nicht im rechtsfreien Raum, auch wenn sie Werte schaffen." Der Deutsche-Bank- Chef hatte sich vor Prozessbeginn beschwert, dass in Deutschland diejenigen vor Gericht stünden, die erfolgreich seien und Werte schüfen.

Verteidiger Sven Thomas beeilt sich, die Philippika der Richterin als "strafrechtlich nicht relevante Auffassung der Kammer" zu werten. Eine Auffassung, die im Übrigen von vielen Aktienrechtlern nicht geteilt werde. Letztes sieht auch Ackermann so: "Wichtig ist, dass Deutschland jetzt Klarheit beim Aktienrecht schafft", sagt er. Andernfalls könne Leistung nicht mehr nachträglich honoriert werden.

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